Großstadtleben

Dank unseres leeren Kühlschrankes wollten wir heute mal testen, was die Spanier zum Frühstück anzubieten haben. All zu groß waren unsere Erwartungen aber nicht. In dem schönen Café am Yachthafen wurden wir aber positiv überrascht, denn die Frühstücksauswahl in der Karte sah wirklich vielversprechend aus. Anders als daheim, aber interessant. Wir entschieden uns für zwei Croissants, einen Toast mit Käse, ein Foccacia mit Schinken und Käse, zwei O-Saft und zwei Cappuccino. Das hörte sich doch prima an! Aber anscheinend war es am Wochenende so voll gewesen, dass wir unsere Frühstückswünsche deutlich reduzieren mussten. Leider gab es weder O-Saft noch Käse, Wurst oder Schinken. Somit waren wir dann doch wieder beim klassisch südländischen Frühstück gelandet: Toast mit Butter und Marmelade und Croissants.

Nachdem es mittlerweile in der Sonne so heiß war, dass uns die Butter vom Croissant tropfte, war es an der Zeit, in kühlere Gefilde zu verschwinden. So zogen wir los ins klimatisierte Einkaufzentrum und dort direkt zum Mediamarkt.

„Yo no soy tonto“ –„ Ich bin doch nicht blöd“. Derselbe Slogan wie in Deutschland, gleich fühlten wir uns wie Zuhause.

Eigentlich stand nur die Anschaffung eines neuen Bordstaubsaugers an, aber das Angebot war einfach zu verlockend, um sich nur auf einen Sauger zu beschränken. Schon zuhause liebte Dietmar den Einkauf von technischen Geräten wie z.B.  Flachbildfernseher, Soundsysteme und andere tolle Spielzeuge. Dafür haben wir aber im Moment weder Bedarf noch Platz. Jetzt liegt sein Fokus erschreckender Weise auch auf Brotbackautomaten, Wasserkochern und anderen Haushaltsgeräten. Auch über die Anschaffung eines zweiten Bord-Laptops wurde nachgedacht. Nach über einer Stunde gelang es uns allen Versuchungen zum Trotz mit leeren Händen den Mediamarkt wieder zu verlassen. Auch der weitere Einkaufsbummel verlief sehr schonend für die Bordkasse. Wenn man mal ehrlich ist, eigentlich brauchen wir auch nichts. Eine tolle Erkenntnis….

Schon seit einigen Tagen schon kämpfen wir  mit technischen Problemen in unserer Bordelektronik. Unsere Wind- und Geschwindigkeitsanzeigen (Logge) taten keinen Mucks mehr. Nach umfassender Analyse stand fest, dass wir Ersatzteile von Raymarine brauchen. Aber wir hatten Glück im Unglück, denn in Vigo gibt es eine Raymarine-Vertretung.

Gut vorbereitet mit Adresse und Internetkarte zogen wir gemeinsam los. Was auf der Karte nach einem kurzen und entspannten Spaziergang aussah, entpuppte sich in der Realität als Gewaltmarsch und glich teilweise einem steilen und unübersichtlichen Irrgarten. Immer weiter entfernten wir uns von den belebten Hauptstraßen und waren bald abseits jeglicher Straßenschilder und schöner gläserner Fassaden der schmucken Geschäfte . Recht bald waren wir uns  sicher, dass Wegbeschreibung und tatsächliche Umgebung nicht zusammen passten. Wir hatten uns verlaufen!

Da tauchte ein älterer Herr auf, der zielstrebig auf uns zu kam und wahrscheinlich wegen der vielen Fragezeichen in den Gesichtern einfach nachfragte, ob er uns denn helfen könne. Leider sprach er kein Wort Englisch oder Deutsch, aber das Wort „Yachtsport“ war wohl  international genug. Er begleitete uns in die richtige Richtung, organisierte noch Stift und Zettel für seine fürsorglich „gemalte“ Wegbeschreibung und erzählte uns auch noch ein Stück seiner Lebensgeschichte aus seiner Zeit in Deutschland, in der die Stadt Osnabrück eine zentrale Rolle gespielt haben musste. So angeleitet brauchten wir nur noch die Hilfe eines „Tabacco“ Ladenbesitzers, einer netten Dame und eines sportlichen Radfahrers, bis wir endlich unser Ziel erreicht hatten.

Aber der lange Weg hatte sich gelohnt. Schnell und kompetent wurde uns geholfen. Die benötigten Teile sollten am nächsten Morgen bestellt und schon übermorgen vor zwölf Uhr geliefert werden. Aber nicht nur das! Für den Rückweg in die Stadt bot uns der freundliche Spanier sogar an, uns mit seinem privaten Auto zurück nach Vigo zu fahren.  Aus naheliegenden Gründen beschlossen wir, unsere SUMMER morgen Abend in den Yachthafen „Lagoa“ zu verlegen, der direkt vor der Haustür der Raymarine-Vertretung liegt. Eine moderne Marina, wunderschön, ruhig, grün und an einem Hügel mit Sandstrand gelegen. Auch die Liegeplatzgebühren ließen keine Wünsche offen 🙂 So stürzten wir uns am diesem lauen Abend noch einmal ins Stadtleben, genossen Tapas und Weißwein.

Morgens zogen wir gemeinsam los, um den Bordkühlschrank wieder aufzufüllen. Auf dem Fischmarkt kauften wir zuerst fangfrischen Fisch. Nach längerer Internet-Recherche wissen wir auch, was für eine Art Fisch wir da eingekauft haben. Einen St. Pierre-Fisch, der wahre Luxus unter den Atlantik-Fischen. Dann machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt, während Dietmar noch beim Angelladen vorbeischaute und abschließend beim Mediamarkt den ausgewählten Staubsauger abholen und natürlich auch zum Boot schleppen  sollte. Erstaunlicherweise befanden sich neben dem Staubsauger auch noch ein großer Ventilator und eine elektronische Mücken-Lebendfalle an Bord, als ich dann später auch mit meinen vollen und schweren Einkaufstüten  wieder zurück an Bord war. Da konnte jemand wohl doch nicht widerstehen 🙂

Trotz der Nachmittagshitze wollte ich noch einen letzten Ausflug zum „Castello von Vigo“ machen. Dietmar war aber leider nicht zu begeistern. Pech für ihn denn die Aussicht über die gesamte Bucht war atemberaubend. Gegen fünf Uhr verließen wir die Innenstadt-Marina von Vigo und tauschen städtische Lebhaftigkeit und Straßenverkehr gegen Ruhe und Natur ein.

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Morgen wird ein toller Tag: Endlich können wir die SUMMER reparieren  🙂 und am Abend freuen wir uns auf das Wiedersehen mit Wolfgang und Waltraud von der SY MENTOR.

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