Ein stürmischer Ritt ins Land der Lobster, in dem Seglerträume wahr werden

Da sind wir nun! Vergangenen Freitag haben wir nach einer durchaus anstrengenden Überfahrt von Nassau/Bahamas nach Maine im Norden der USA, endlich unser Ziel erreicht. Der gut 1300 Seemeilen lange Törn wollte einfach kein Ende nehmen. Die Tropen, mit den für uns ungewohnt hohen Temperaturen, machen auf die Dauer ganz einfach schlapp und träge. Immerhin haben wir uns ja gut sieben Monate in dieser heißen Region aufgehalten. Erschwerend kam auch noch der Umstand hinzu, dass die Zeit der tropischen Stürme in den Tropen bereits begonnen hatte und die allgemeine Wind- und Wettersituation für eine Route Richtung Norden segeltechnisch sowieso nicht ganz trivial ist. Im Klartext heißt das,  dass wir immer mit rauen Bedingungen, Wind von vorn und kräftigen Strömungen rechnen mussten. Wie sich gezeigt hat, sollten wir das volle Programm durchlaufen!

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Schon am Mittwoch, dem zweiten Tag unserer Tour, ging es los. Morgens um 02:45 in einer stockdunklen Nacht passierte genau das, was wir eigentlich immer verhindern wollten. In der Erwartung, dass der Wind auffrischen würde, hatten wir bereits die Segel vor Anbruch der Dunkelheit kräftig gerefft. Wir haben aus den Erfahrungen in der Vergangenheit gelernt und uns angewöhnt, lieber auf Nummer “sicher” zu gehen, auch  wenn wir dadurch an Geschwindigkeit verlieren. Nichts ist schlimmer, als bei Nacht auf das Vorschiff gehen zu müssen und bei Wind und viel Schräglage am Mast zu arbeiten. Ein Blick auf den Bildschirm des Radars ließ mich erschaudern! Ich musste erkennen, dass wir mitten im Zentrum einer gewaltigen Tiefdruckzelle gefangen waren. In einem Radius von 16 Seemeilen waren überdeutlich die schweren Regen- und Gewitterwolken zu erkennen. Alles war hellgrün auf dem Bildschirm, kein Entkommen möglich. Nach einem schnellen letzten Rundblick übers Deck haben wir den Niedergang geschlossen und gehofft, dass auch diesmal alles gut gehen würde. Kaum hatte ich mich wieder in meinem Sitz in der Navigationsecke verkeilt, fiel auch schon die erste Gewitterböe mit voller Wucht ein. Die Geräusche aus dem Rigg und das Ächzen der Verbände im Rumpf hatte ich vorher so laut noch nie so gehört. Auf der Windanzeige stand die Zahl 48,5 Knoten. Wow! Das entspricht auf der Beaufortskala knapp der Windstärke 10! Ich erinnere mich, dass ich mich ein wenig wie auf einem Schleudersitz gefühlt habe. Wenn ein Schiff von 23 Tonnen nur unter Großsegel im zweiten Reff schlagartig von 7,5 auf 11,5 Knoten beschleunigt wird, dann wachsen einem die Sorgenfalten von ganz allein. Es sind die Momente, in denen man dem Boot vertrauen muss und inständig hofft, dass das Rigg diese wahnsinnigen Kräfte aushält. Man kann nichts mehr machen und ist nur noch Beifahrer.  Wie immer hat unsere CESARINA Ihre Sache aber mit Bravour gemeistert. Mit ihrer typisch stoischen Ruhe und Ausgeglichenheit auf dem Ruder, hat sie Ihren Kurs nicht verlassen und ist dem Wind einfach davongefahren.  Die permanent heftigen Blitze der vielen Gewitter brachten zwar etwas Licht in die Dunkelheit der Nacht, aber dem Wohlbefinden unter Deck waren sie eher weniger zuträglich.

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Um sieben Uhr morgens hatte sich die Situation immer noch nicht beruhigt. Ständige Böen von 45 Knoten (Windstärke 9) waren auch nach Tagesanbruch unsere Begleiter. Auch nach gut 4 Stunden Sturmfahrt war es uns beim besten Willen nicht möglich, sich an die Situation und Geräusche zu gewöhnen. Die Ausläufer des “Tropical Storm” mit dem Namen “Colin” leisteten wirklich ganze Arbeit. Gegen halb acht kam dann Stufe zwei. Starkregen mit der Heftigkeit einer zumindest für uns neuen Dimension. Der Regen war so stark, dass durch den kleinen Spalt zwischen Mast und Deck ca. 40 Liter in die Bilge gelaufen sind. Die Sicht war teilweise unter 30 Meter. Auf dem Radar war wegen der Störungen nicht mehr zu erkennen, ob sich andere Schiffe in der Nähe aufgehalten haben oder nicht. Das war schon eine sehr unangenehme Sache, da wir praktisch im Blindflug unterwegs waren.

Irgendwann war der Sturm dann aber  vorüber und wir beide ziemlich geschafft. Eine Kontrolle an Deck hat dann ergeben, dass nicht ein einziges Teil zu Bruch gegangen war.  Überhaupt hatten wir mal wieder viel Glück, weil alles gut gegangen war. Wir haben uns bei unserer CESARINA für den guten Job bedankt und wieder einmal war ich ein Stück mehr glücklich, dass wir ein so genial seetüchtiges und stabiles Schiff segeln dürfen.

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Nach dieser Erfahrung, die wohl keinem Segler auf solch einer Reise erspart bleibt, hatten wir erst einmal das Bedürfnis nach einer Ruhepause. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, den nächsten Hafen anzulaufen. Am Samstag, den 11.Juni, haben wir dann die Little Creek Marina in Norfolk/Virginia erreicht. Wie so oft schon in der Vergangenheit, kamen wir schnell mit den Menschen über unsere CESARINA in Kontakt und hatten eine schöne und entspannende Zeit dort. Am nächsten Morgen hatten Lynn und Dick, die direkt an der Marina leben, eine nette Überraschung für uns parat. Zum Frühstück haben die beiden uns Erdbeeren und Blaubeeren ans Schiff gebracht. Einfach so. 🙂  Am Abend haben wir dann an Bord gemeinsam einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen verbracht. Im Allgemeinen haben wir hier das Gefühl gehabt, herzlich willkommen zu sein. Die Mentalität der Menschen ist so absolut konträr zu vielen Teilen der Bahamas. Eben viel persönlicher und offener als tiefer im Süden, wo scheinbar eher das Portemonnaie im Vordergrund steht.

Die letzten 600 Seemeilen nach Maine haben wir dann in den nächsten Tagen leider meist unter Motor zurücklegen müssen. Der Wind war einfach zu schwach oder er kam eben von vorn. Es war sehr auffällig, dass die Temperaturen mit fortschreitender Reisedauer immer weiter in den Keller gegangen sind. In der Nacht war es ohne Mütze, Pulli und Socken an den Füßen an Deck nicht mehr auszuhalten. Später mussten wir sogar tagsüber dicke Socken anziehen. Maine liegt ja hoch im Norden der USA und die Wassertemperaturen liegen hier bei kuscheligen 11 Grad. Da hatte sogar ich keine Lust mehr an Deck zu duschen:-) Kein Wunder, denn wir hatten ja noch vor wenigen Tagen 29 Grad warmes Wasser 🙂

Am Freitag den 17. Juni haben wir dann endlich Southwest Harbor erreicht und an einer Boje der HINCKLEY Werft festgemacht. Wir hatten das Glück, unterwegs einige Wale und viele Seehunde zu sehen. Die Burschen haben wahrscheinlich die Hummerfallen ausgeräubert. Maine ist der US Bundesstaat der Lobster. Tausende von Bojen mit Hummerkörben auf dem Grund sind hier ausgelegt, sogar mitten im Fahrwasser. Ständig mussten wir Slalom fahren, um keine der Leinen in den Propeller zu bekommen. Die Landschaft ist unglaublich schön und hat eine große Ähnlichkeit mit Schweden. Natur pur und wunderbar grün! Nach unserer Zeit in den Tropen war es das absolute Kontrastprogramm zu den letzten 7 Monaten.

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Hier bei HINCKLEY werden mit die schönsten und hochwertigsten Segelyachten der USA gebaut. Eine Traditionswerft mit einer weltweit hohen Reputation unter Seglern. Die Menschen sind außergewöhnlich freundlich und bodenständig. Die Werft wurde uns von Freunden wärmstens empfohlen, die selber eine bekannte Werft in Deutschland betreiben. Hier wollen wir unserer CESARINA unter anderem eine neue Lackierung nach dem Crash in Kuba zukommen lassen. Das Teakdeck soll ebenfalls überarbeitet werden und der Motor braucht auch dringend einen größeren Service. Die Werftzeit wollen wir nutzen, um einen längeren Heimaturlaub in Deutschland zu machen. Katja ist bereits gestern geflogen und mein Flieger geht am kommenden Montag. Bis dahin werde ich mich noch um unsere CESARINA kümmern und alle anfallenden Arbeiten mit den Mitarbeitern vor Ort besprechen. Unsere CESARIANA hat es sich redlich verdient 🙂

3 thoughts on “Ein stürmischer Ritt ins Land der Lobster, in dem Seglerträume wahr werden

  • June 22, 2016 at 2:46 am
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    Uncredible the wind conditions that you had, it is Even Worth than the wind between the islands in Canaria. You have a good yatch for sure but you are excellent sailors either.

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  • June 23, 2016 at 12:50 pm
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    Hut ab, gut gemacht! So fies hatten wir es noch nicht, kann auch gerne noch eine Weile so bleiben. Euch weiterhin eine tolle Fahrt.
    Grüssle aus Noumea Neukaledonien
    Constantin

    PS: Franka ist auf dem Weg zu uns, alleine, UM gibt es für 13 jährige nicht auf der Strecke, sie ist ein wirklich tolles Mädchen.

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  • June 25, 2016 at 10:15 am
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    Hallo ihr Beiden, gut von Euch zu hören und dass ihr es trotz der Bedingungen ohne Blessuren geschafft habt. Ganz herzliche Grüße aus Toulouse.

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