Galapagos… und die Wikinger mit Taucherflossen

 

 

Anchorage Academy Bay

 

Nachdem wir trotz aller Gewitter und sonstiger Unzulänglichkeiten auf Santa Cruz in der Bucht von Ayora angekommen sind, wurde es Zeit den Anker bei nur 6m Wassertiefe in das nasse Element zu entlassen.  Wir brauchten 4 Versuche bis das 40KG schwere Eisen irgendwo auf dem steinigen Grund Halt gefunden hatte. Das laute Rucken und Scheppern wenn der Anker über die Steine gezogen wird übertrug sich durch das gesamte Boot und auch 1:1 auf meine Nerven. Die Mischung aus kräftigem Schwell, Müdigkeit, Wind und der wachsenden Ungewissheit überhaupt einen vertrauenswürdigen Ankerplatz zu finden steigerte nicht gerade das allgemeine Wohlbefinden. Am Ende stand die Peilung dann aber bei 2000Umdrehungen rückwärts und 35m Kette. Gott sei Dank. Ich fühlte mich irgendwie ziemlich erledigt und ging nach einem gemeinsamen schnellen Frühstück unter Deck zum Schlafen. Nur 2 Stunden später klopfte schon jemand an den Rumpf. Unser Agent Ronny und die Offiziellen von der Immigration machten ihre Aufwartung und kamen in voller Montur an Bord. Emma bot den Kameraden mit einem strahlendem Lächeln etwas zu trinken an und begrüßte die Anwesenden auf spanisch. Das kam wie immer hervorragend an weil somit die Sprachbarriere überwunden und für beide Seiten das Miteinander leichter war. Meine Rolle war es wie immer, etwas “grumpy” aus der Wäsche zu gucken und mich in Zurückhaltung zu üben. 1200 USD später für das sogenannte Cruising Permit und allerhand anderen Gebühren, waren die Jungs wieder von Bord verschwunden. Es hat sogar Spaß gemacht. Hinzu kam die Tatsache, dass CESARINA allen Dreien sehr gut gefallen hat. “Da wird sogar der härteste Officer weich”, hatte es später ein Facebook Freund genannt.

Einige Stunden später erinnerten wir uns an die Worte unseres Agenten. “Wenn morgen die Leute vom “Ministerio Ambiente” kommen und von einem Taucher das Unterwasserschiff auf “Barnacle”  (Seepocken) untersuchen lassen, dann gebt denen bloß keinen Grund zur Beanstandung”. Es würde sonst richtig teuer und unangenehm werden. Natürlich hat die Regierung Angst, dass die Yachten irgendwelche Organismen in das Naturparadies und Ökosystem der Galapagos Inseln einschleppen könnten. Wird also eine Seepocke gefunden dann kommen professionelle Taucher an Bord und fahren erst einmal 40 Seemeilen hinaus auf See, um dort das Schiff zu reinigen. Also, viel Ärger, hohe Kosten und ein verlorener Tag. Ich hatte CESARINA in Kolumbien erst noch von Tauchern diesbezüglich reinigen lassen. Das sollte schon klar gehen…dachte ich zumindest noch in diesem Moment. Eine kurzer Tauchgang gegen Mittag katapultierte mich dann in die Realität zurück. Das Unterwasserschiff war vollständig von Pocken und Algen überzogen. Die Liegezeit in Panama war einfach zu lang. Ich wollte wirklich heulen, da wir das Thema niemals selber in den Griff bekommen würden. Keine Chance!

Was tun? Am liebsten wäre ich sofort weiter gefahren, um mir und uns den vielen sowie garantierten Ärger zu ersparen. Ging aber nicht, denn die Pässe hatte unser Agent mitgenommen und die ganzen Gebühren hatten wir ja auch schon bezahlt. Ich fühlte mich wirklich nicht gut und meine Nerven fingen auch an sich bemerkbar zu machen. Emma war es schließlich, die unseren Agenten anrief und das Problem schilderte. Am Ende des Tages waren zwei Taucher der Armee damit beschäftigt, das Schiff für die Inspektion vorzubereiten. Weitere Erklärungen spare ich mir jetzt an dieser Stelle. Wir haben die Inspektion bestanden genauso wie die Fumigation (Bekämpfung von möglichen Ungeziefern)  und die Inspektion der Umweltbehörde. Emma sei Dank, die immer geduldig und freundlich bleibt auch wenn es grenzwertig wird! Wäre ich allein an Bord gewesen, wäre ein gewisses Potential vorhanden, dass es richtig schwierig werden könnte. Dabei bin ich schon wesentlich ruhiger geworden….. Es war jedenfalls vollbracht und wir durften endlich die Umgebung erkunden. Wir ließen uns wenig später per Wassertaxi an Land bringen und hatten ernsthafte Schwierigkeiten uns auf den Beinen zu halten. Das nennt man glaube ich “Landkrank” 🙂

Nachdem wir uns die ersten Meter auf dem schwankenden Ponton voran gekämpft hatten, glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen. Ein sichtlich wohlgenährter Seal (Seehund) hatte es sich auf einer der Bänke bequem gemacht und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Er hatte auch absolut kein Problem damit, dass sich die Leute um ihn herum bewegen mussten. Auch meine Kamera, die ich ihm fast vor die Nase gehalten habe, brachte ihn nicht aus der Ruhe. Cool! Im Wasser rund um den Ponton herum, war das Wasser ebenfalls voller Leben. Mehrere schöne Galapagos Haie, Rochen und sonstige exotische Fische schwammen munter nebeneinander her. Später gesellte sich dann noch eine große Wasserschildkröte dazu, die das Grün von dem Rumpf eines Fischerbootes knabberte. Cool, soviel Leben auf einem Haufen. Das ließ hoffen.

Angetörnt von den ersten Eindrücken, gingen wir dann sogleich zur nächsten Agentur und buchten einen Tag auf einem Tauchboot. Es sollte zur North Seymour Insel gehen, wo man einige Haiarten finden sollte. Am nächsten Morgen trafen wir uns dann an der Tauchschule und schon ging es ab mit zwei Wagen voller Tauchern und Equipment. Ich hatte als einziger meine eigene Ausrüstung dabei und auch meine gute Sea&Sea Kamera im Gepäck. Als wir dann nach einer schönen Fahrt über die Insel das erste mal das Tauchboot gesehen haben, ist uns fast das Gesicht eingeschlafen. Meine Fresse, was für eine Trümmerkiste. Nicht nur das allein war erschrecken sondern auch die wahnsinnige Enge auf dem Kahn. Uns gegenüber saßen 3 junge Kerle aus Dänemark sowie Lee aus Taiwan und Mora aus Korea. Die drei Wikinger hatten so gut wie keine Erfahrung, Mora war noch nie getaucht und Lee war fast noch unbeleckt in Sachen Tauchen. Nun denn, das konnte ja spannend werden.

Zwei Einheimische vom Festland sowie Lee waren schon im Hafen seekrank. Es war aber auch hammerhart wie der Kahn schaukelte und der Gestank von den 2 Motoren gab uns allen fast den Rest. Nach gut einer Stunde kam auch schon der erste Stopp in einer netten kleinen Bucht. Etwas war an der Lenkung gebrochen. Es dauerte gar nicht lange und der Skipper hatte die zwei Motoren mit einem Holzpaddel und etwas Tau zusammengebunden. Von da ab steuerte er die Fuhre mit dem Paddel von der Badeplattform am Heck aus. Jede PADI Tauchschule hätte wahrscheinlich einen kompletten Nervenzusammenbruch bekommen wenn jemand den Ablauf in Sachen Sicherheit gesehen hätte. Die drei Wikinger, hatten sich schon nach einem Strömungstauchgang erkundigt, bevor sie den ersten Tauchgang überhaupt begonnen hatten. Es kam wie es kommen musste. Nach 24 Minuten hatten die ersten beiden schon ihre große Aluminiumflasche leer genuckelt und hingen an der Flasche von Guide. Nur mein taiwanesischer Freund blieb cool, selbst dann als sich seine Flasche komplett von Jacket gelöst hatte. Oh man! Er hat wie ein Fische geguckt als wir ihm zu zweit das Ding wieder auf den Rücken geschnallt haben. Später hat er mir erzählt, dass er wirklich keinen Schimmer davon hatte, was da hinter ihm abging. Solche Dinge und andere Kuriositäten ereigneten sich Tages. Emma ging indessen etwas Schnorcheln und sah wahrscheinlich den einzigen Hammerhai des Tages. Wir bekamen unter Wasser ein paar schöne Galapagoshaie zu sehen sowie Sandaale und allerhand schöne Fische. Aufregend fand ich allerdings die starke Strömung, die mich mit zwei Wikingern zusammen erfasst hatte und von der Gruppe getrennt hat. Die Jungs blieben cool und wir setzten dann später unseren Tauchgang an einer anderen Stelle fort, nachdem uns der Kahn irgendwo wieder aufgesammelt hatte. Ganz ehrlich, das brauche ich echt nicht noch einmal. Wahrscheinlich bin ich für diesen Scheiß schon zu alt J

Abends waren wir jedenfalls ziemlich platt und gingen recht früh schlafen. Vorher hatte mich Emma noch zum Sushi eingeladen. Mitten beim Essen bin ich dann schlafend vom Hocker gefallen. Peinlich, peinlich kann ich da nur sagen. Aber in den unmöglichsten Situationen einzuschlafen gehört zu meinen Paradedisziplinen J

Zwei Tage später haben wir dann mit John und Evgenia von der kanadischen SY LADOGA einen Tagesausflug zu einer Galapagos-Schildkröten Ranch gemacht. Es war schon klasse die Riesentiere zu beobachten. In früheren Jahrhunderten waren die gepanzerten 200-300 KG Gesellen ein beliebter Proviant für die Handelsschiffe, die in die Südsee unterwegs waren. Pro Schiff nahmen die Schoner bis zu 700 Tiere an Bord. Kein Wunder, dass die Population fast ausgerottet wurde. Heute stehen die Tiere natürlich unter Naturschutz. Es sind wunderbare Geschöpfe, die fast überall auf den Inseln zu finden sind.

Das Highlight kam dann zum Schluss. Wir wollen die berühmten Galapagos-Echsen in freier Wildbahn erleben. Wir schnallten die Rucksäcke auf und machten uns auf den Weg zur Tortuga Bay. Nach einem scheinbar endlos langen Marsch durch einen Kaktuswald, erreichten wir dann die Bucht. Die Tortuga Bay ist bekannt für Ihre Echsen, als Eiablageplatz der Wasserschildkröten, den Blaufußtölpeln und dem paradiesisch schönen Strand. Außerdem hatten wir beide das Gefühl, dass hier ein Treffpunkt für Männer ist, die Männer suchen….. Wir machten an dem Tag viele tolle Fotos von der Vielfalt der Tierwelt. Nur das 500er Tele von Emma, das bei den 35° im Schatten in meinem Rucksack spazieren trug, drückte kräftig auf meinen Schultern. Dabei hat sie es nicht ein einziges Mal benutzt L.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Galapagos Inseln etwas ganz Besonderes sind. Sicher ist es teuer und beschwerlich hierher zu kommen, zumindest per Boot, aber es ist unserer Meinung nach ein absolutes Muss. Also ein Ort, den man unbedingt einmal im Leben gesehen haben muss. Ein Geschenk der Natur an die Menschen, welches absolut Wert ist mit allen Mitteln geschützt zu werden.

Morgen am Dienstag den 18. April werden wir aufbrechen und nach Hiva Oa zu den Marquesas weitersegeln. Wir werden ca. 3000 Meilen segeln und 3-4 Wochen unterwegs sein. Je nach Wind und Wetter.  Viele Liebe Gruesse von Bord der CESARINA und bis bald

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