Anglerglück, ein Festmal und viel Anlegerbier

Heute ist schon wieder Sonntag und in zwei Tagen kommt meine Capitana wieder zurück an Bord. Mit jedem weiteren Tag den wir an Bord unserer SUMMER verbringen, rückt auch das “alte Leben” in weitere Ferne. Das Leben in einem Hafen hat so seine eigene Dynamik und Gesetze. Kein Tag ist wie der andere und ständig ergeben sich neue Bekanntschaften und Perspektiven für die Tagesgestaltung und neuen Reisezielen.
Am vergangenen Freitag war der Höhepunkt des Tages definitiv die Einladung zu einem Festmal von der SY MULINE aus Stralsund. Auf der Speisekarte standen die selbst gefangenen Doraden vom Vortag und der Aal aus unserem Kühlschrank auf dem Programm. Um 15:30 war es dann angerichtet. Skipperin Katja von der MULINE reichte zwei wirklich große Schalen frisch aus dem Backofen mit Fisch, Kartoffeln und Gemüse aus der Pantry hoch an Deck. Die Crew der 11 Meter langen SY MULINE besteht immerhin aus drei Erwachsenen und zwei Kleinkindern. Hochachtung an die Köchin, die in dem mit Petroleum beheizten Ofen ein hervorragendes Essen gezaubert hat! Es gab sogar noch einen leckeren Nachtisch! Abends hatte Katja sogar schon wieder drei Doraden gefangen. Petri Heil! Da habe ich für etliche x Euronen Angelzeug im Vorschiff gebunkert und habe bestimmt den Händler glücklich gemacht aber die Fische werden auf dem Nachbarschiff gefangen 🙂 Das ist wie im richtigen Leben: einer seift kräftig ein und ein anderer rasiert!
Geplagt vom schlechten Gewissen nach dem Blick auf die imaginäre “Honey To Do Liste” war gestern der Hausmann-Tag. Für ein ausgiebiges Frühstück war nicht viel Zeit denn wer weiß, ob nicht noch ein anderer verwaister Skipper auf die Idee kommen würde, seine Frau mit frisch gewaschener Wäsche beeindrucken zu wollen. Schnell den Wäschesack auf links gedreht und alle weißen T-Shirts von Katja aussortiert. Dann auf`s Klapprad gesprungen und mit dem Zeug zur Waschmaschine gesprintet. Deckel auf,Wäsche rein und 3 Euronen in den Automaten geworfen. Das Problem mit der Programmwahl wurde im Ausschussverfahren getroffen und der Startknopf gedrückt. Nach dem Rauschen des Wassers fiel mir dann noch ein ein, dass da ja noch Waschmittel rein muss. Also rauf auf`s Fahrrad und zurück zum Boot und mit “Persil Flüssig” unter dem Arm wieder zurück. Gott sei Dank hatte ich einen Knopf mit Vorwaschprogramm gedrückt. Das Ergebnis ließ sich sehen. Zumindest hat alles heftig nach Waschmittel im Boot gerochen was ja wohl so viel zu bedeuten hat, dass alles auch sauber ist, oder?

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Unser Liegeplatznachbar Helgo mit seiner alten Holzyacht “Moby Dick” aus Viersen hatte eine größere Aufgabe vor sich. Schon am Freitag hatte er begonnen, das Deck mit einer unglaublichen Ausdauer mit dem Dampfstrahler von losen Lackresten zu befreien. Der Lack hatte sich nach dem letzten harten Winter im Wasser buchstäblich in seine Bestandteile zerlegt. Helgo zählt zur Spezies der sogenannten Hardcore-Segler. Er segelt vorzugsweise bei Starkwind und Sturm im Herbst und Winter. Sein Schiff hat keinen festen Hafen und er segelt seit Jahren einfach immer weiter die Küste Richtung Süden entlang wenn er die Zeit dazu hat. Bei einem Smalltalk auf dem Steg und somit einer willkommenen Unterbrechung der anstrengenden Arbeit, verabredeten wir uns für den Nachmittag zu einem Besuch des örtlichen Yachtausrüsters und des Supermarktes. Da Helgo mit seinem VW-Bus angereist war, hatten wir das optimale Transportmittel für unser Vorhaben am Start. Eine einmalige Chance, die sonst in Tüten oder Rucksäcken zu transportierenden schweren Getränke angenehm leicht auf unser Boot zu bekommen. Nach gut einer Stunde im Skipper-Einkaufsparadies (Yachtausrüster) haben einmal wieder einige Euronen den Besitzer gewechselt. Natürlich standen nur die absolut lebensnotwendigsten Investitionen auf der Einkaufsliste 🙂 Dann sind wir schnell noch zum Supermarkt gefahren, um ja nicht einen leeren Kühlschrank zu riskieren. Einkaufen ist Schwerstarbeit! Meine Bewunderung den Damen, die vernunfts- und preisorientiert den vielen Versuchungen wiederstehend, eine ausgewogende Auswahl von Waren zielsicher in dem Einkaufswagen platzieren. Mir fällt das sehr, sehr schwer! Die Kassiererin hat sich auch gar gewundert als dann aus meinem Einkaufswagen 5 Paletten “Anlegerbier”, 3 Paletten Mineralwasser, diverse und viele Fruchtsäfte plus Yoghurts etc. über das Band gelaufen sind. Dafür guckte mich Helgo ziemlich schräg an. Hatte ich ihm wie auch den anderen Segelfreunden doch lang und breit erzählt, daß ich Alkohol nur in extrem begrenzten und homöopathischen Mengen trinken würde. Er hat sich bestimmt gefragt, wie ich homöopathisch definiere.
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Zurück am Boot wurde dann fleißig am Boot geschraubt und die Einkäufe von Yachtausrüster verbaut. Neben ein paar weiteren Herausforderungen hat es mir ein Block am Mast besonders angetan. Das Teil hat die Funktion ein Fall (Seil mit dem z.B. ein Segel hochgezogen wird) festzusetzen. Einen solchen Block wolle ich öffnen und hatte dann den Griff in der Hand. Abgebrochen wegen Materialermüdung durch UV-Strahlen. Das darf doch gar nicht sein! Da sich das Teil nicht so einfach abschrauben ließ, wurde es eben mit der Rohrzange hingerichtet. Hier hat der “Henke” persönlich Hand angelegt 🙂 Damit wurde eine kleine Eskalationskette weiterer “Unpässlichkeiten” ausgelöst, die ich hier nicht weiter beschreiben möchte. Morgen muss ich eben noch einmal zum Yachtausrüster.

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Langsam ging es dann zu lustigen Teil des Tages über. Genau in dem Moment als ich dabei war die Einkäufe unter Deck zu schaffen, kam auch schon die Crew der SY SWANTJE aus Wilhelmshafen in Gestalt von Karsten und seiner netten Freundin Stefanie aus Österreich mit ein paar Dosen Anlegerbier im Gepäck, zielstrebig in Richtung SUMMER. Gerade 2 Minuten zuvor sind auch Helgo und seine Freundin Rosi an Bord gekommen, nachdem die Beiden verdientermaßen Schleifpapier und Pinsel nach vielen Stunden Plackerei aus der Hand gelegt hatten. Was folgte war ein lustiger Abend. Endlich konnte ich auch mal Anlegerbier in die Runde streuen. Karsten und Helgo haben Seglergeschichten vom Feinsten erzählt und es wurde sehr viel gelacht. Morgens um 01:30 war dann Ende der netten Runde. Ich habe dann einige leere Dosen und die halbvolle Flasche Rose noch vom Tisch geräumt. Genau solche Abende wie diese habe ich mir auf unserer Reise gewünscht. Einfach ohne auf die Uhr zu gucken und an Morgen denken zu müssen den Moment mit netten Menschen genießen zu können. “Life is wonderful” und wenn meine Katja dabei gewesen wäre, wäre es sicher noch schöner gewesen 🙂

One thought on “Anglerglück, ein Festmal und viel Anlegerbier

  • July 21, 2014 at 2:31 am
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    Hallo Dietmar, habe soeben win schönes Wort von Dir gelernt: Eskalationskette 😉 bisher war das Wort Eskalation mit der Job bedingten Verlagerung von Problemen in die Hirarchie belegt.
    Du hast einen wahrlich kurzweiligen Post gezaubert.

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