Always on the bucket list……

 

 

Es gibt verschiedene Dinge im Leben, die man aus den unterschiedlichsten Gründen auf eine Liste setzt, die der Engländer  „bucket list“ nennt.  Auf Deutsch:  „Dinge, die man auf jeden Fall gern tun möchte bevor das Leben zu Ende  ist “ (before you kick the bucket). Ich hatte da noch etwas im Hinterkopf, was mir seit dem Jahr 2012 nicht mehr aus dem Sinn gegangen ist.  Es war das Jahr, in dem ich meine erste Atlantiküberquerung von Las Palmas/Gran Canaria nach St. Lucia/Karibik als Crew auf der „Northern Child“ im Rahmen der ARC erleben durfte. Das Schiff war eine Swan 51 unter britischer Flagge und unser Skipper war Christian Reynolds, der schon seit Jahren seinen Unterhalt damit verdiente, zahlende Mitsegler bei Regatten mit an Bord zu nehmen. Man nennt das auch „Race charter“. Abenteuer gegen Bezahlung.

Die Art und Weise, wie Christian sein Schiff führte und seine Crew, also uns, durch seine große Erfahrung erfolgreich und sicher über eine Distanz von 3000 Seemeilen gebracht hat, war außerordentlich beeindruckend und meilenweit von dem entfernt, was ich jemals zuvor auf einem Segelschiff erlebt habe. Irgendwann habe ich ihn einmal gefragt, welchen Segelschein er denn hätte? Seine Antwort war: „Yachtmaster Ocean“.

Ich hatte natürlich überhaupt keine Ahnung, was er damit genau gemeint hat aber es war für mich klar, dass diese Qualifikation von nun an das Non plus Ultra in Sachen Segeln und  Seemannschaft darstellen würde. In all den Jahren,  in denen ich mit CESARINA auf den Weltmeeren unterwegs war und aus meiner Sicht hervorragende Segler kennenlernte, hörte ich immer wieder von dem RYA Yachtmaster Schein. Das galt für Sportsegler ebenso wie für Profis und bestätigte eigentlich nur meinen Eindruck und das hohe Level und Ansehen dieser Qualifikation.

Irgendwann in 2017 trudelte eine E-Mail von einem Michael aus Berlin bei mir ein. Wenn ich mich recht erinnere, waren wir gerade von Mauritius nach Südafrika  unterwegs. Michael stellte sich als Profiskipper vor und schrieb mir, dass er im Netz ein paar Bilder von CESARINA gesehen hätte und gern einmal auf einer klassischen Swan mitsegeln würde. In einer der nachfolgenden E-Mails erwähnte er, dass er auch Inhaber der Berliner Segelschule SailingCircle. de sei und schon seit Jahren in Deutschland erfolgreich  die Ausbildung zum RYA Yachtmaster durchführt. In dem Moment klingelten bei mir alle Glocken und ich begann mich mit dem Thema  „Yachtmaster-Ausbildung“  näher auseinander zu setzen.

Am 29. April diesen Jahres kurz vor Mitternacht landete der Flieger mit Michael an Bord in Praia do Vittoria auf der Azoreninsel Terceira. Hier hatte ich CESARINA vor 10 Monaten an Land gestellt, nachdem ein Freund und ich im letzten Jahr auf dem halben Weg nach England wegen schlechtem Wetter und technischen Problemen wieder umdrehen mussten. Diesmal sollte es aber klappen und ich hatte mir meinen lieben Mitsegler und Koch Franjo und Michael als Profi zur Unterstützung an Bord geholt. Michael kannte zum einen den Englischen Kanal  sehr gut und zum anderen wollte er mir den Umgang mit dem Sextanten zur Astronavigation beibringen. Einer der Bausteine auf dem Weg zum Yachtmaster „ Ocean“. 

Ich muss allerdings an dieser Stelle einmal kurz die Hosen runter lassen und mein Haupt vor Scham senken. Ich habe 6 Monate zuvor schon einmal versucht die Prüfung zum Yachtmaster „Offshore“ zu bestehen und bin grandios auf die Schnauze gefallen. Ich hatte die Anforderungen gelinde gesagt etwas unterschätzt. Man konnte auch sagen, dass der Cocktail aus Solent mit seinen starken Gezeiten und tausenden von Bojen und Lichtern, Navigieren mit Papierkarten anstelle von Plotter und Computer, Passageplanning bis ins Detail und einem Prüfer an Bord, mich weit aus meiner gefühlten Komfortzone katapultiert hat und somit toxisch war. Ich bin mit der Einstellung zur Prüfung angetreten, dass ich am besten lieber  zuhause geblieben wäre. Nach diesem persönlichen Desaster war mein Selbstwertgefühl übel lädiert und meine Laune im dritten Untergeschoss angesiedelt. Ich wollte danach nie wieder etwas vom Thema Yachtmaster hören und mich auch nie wieder so derart blamieren…… Psst, bitte nicht weitererzählen 😉

Wer mich kennt weiß aber auch, dass ich so leicht nicht aufgebe und nach langem hin und her, habe ich dann in einem schwachen Moment und Emmas Appell an meine Ehre, einem neuen Anlauf zur Prüfung zugestimmt.

Jetzt waren Franjo und Michael an Bord und ich hatte in den Wochen zuvor alle Hände voll zu tun, CESARINA für unsere 1370 Seemeilen lange Reise nach Southampton bzw. Portsmouth vorzubereiten. Ich hatte den Eindruck, dass ich das Thema nahezu perfekt umgesetzt habe. In den letzten Jahren habe ich schließlich nichts anderes gemacht und dieses Mal wollte ich unbedingt in England ankommen. CESARINA war in „ship shape condition“

Parallel hatte ich aber schon 3 Monate zuvor wieder mein Studium der Schulungsunterlagen und Lerninhalte aufgenommen, um bei der nächsten Prüfung perfekt vorbereitet zu sein.

Am 1. Mai ging es dann los. Wir konnten schon am ersten Tag die Segel setzen und mit gutem Speed unseren Kurs nach England absetzen. Von Anfang an schien der Törn unter einem guten Stern zu stehen. Das erste Mal in diesem Jahr kamen die Winde aus der für uns richtigen Richtung und die Stimmung an Bord war einfach harmonisch und super. Eine der größten Erleichterungen für mich persönlich war, dass ich die Verantwortung voll und ganz an Michael übergeben konnte wenn ich mich zum Schlafen verzogen habe. Nach sehr kurzer Zeit hat er sie exakt so geführt, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Wer mich kennt, weiß wie extrem pingelig, vertraut und eigen ich mit meinem Schätzchen bin. Immerhin hat sie mich einmal um die Welt gebracht. Ebenso waren wir uns sehr einig, wenn es darum ging, strategische Entscheidungen über die Route und Segelführung zu treffen. Seit einigen Tagen saß  uns ein großes Tiefdruckgebiet mit 55 Knoten Wind im Genick. Nicht gerade ein so tolles Gefühl.  Das hätte auch voll in die Hose gehen können.  Durch die optimale Dreierbesetzung bekam jeder von uns genügend Schlaf.  Einfach toll!!!

Nach 8,5 Tagen kamen wir ohne die geringsten Schäden gegen Mitternacht in Portsmouth an. Viel schneller als gedacht und rechtzeitig genug, um die fiesen Winde hinter uns zu lassen. Eine andere Yacht, die einen Tag nach uns von den Azoren nach Portsmouth gestartet war, hatte nicht so viel Glück. Obwohl die 60 Fuß Yacht äußerst stabil gebaut war, hatte Sie der Sturm mit seinen hohen und gewaltigen Wellen übel zugerichtet. Die Crew war so fertig, dass alle fluchtartig im ersten Nothafen in Süd-West England das Schiff verlassen haben. Möchte mir gar nicht vorstellen, was da an Bord abgegangen ist. Der blanke Horror. Glücklicherweise war unser Timing aber diesmal perfekt.

Die schönste Überraschung war für mich, dass beim Anlegen in der Gosport Marina meine liebe Frau Emma am Ponton stand. Für mich völlig unerwartet und deshalb auch unerwartet so schön.  Hatte sie mir doch vor einer Stunde am Telefon noch erzählt, dass sie einen Notfall im Pflegeheim hätte und auf die Sanitäter warten muss. Meine Welt war also rundum absolut in Ordnung. Tolles Schiff mit einer tollen Crew und einer aufregenden Reise und am Ende eine so schöne Überraschung bei  der Ankunft 🙂 

Vier Tage vor der Prüfung sind wir noch einmal alle relevanten Prüfungsthemen durchgegangen. Von Nachtansteuerungen, Theorie bis zum Feinschliff bei der sogenannten  „Passage Planning“, auf die bei der Ausbildung sehr großen Wert gelegt wird.  Interessanterweise wurde ich mit jedem weiteren Tag innerlich immer ruhiger und hatte sogar Spaß an den Übungen. Es lag daran, dass ich mich gut vorbereitet hatte und mich auch innerlich bereit für die Prüfung fühlte. Mit Emma und Michael an Bord musste ich mich auch nur sehr wenig um das Schiff kümmern und hatte meinen Kopf für andere Aufgaben frei. Ich fühlte mich einfach gut und freute mich am Ende sogar auf den Tag der Prüfung. Soweit ich mich erinnern kann, war es das erste Mal überhaupt 🙂

Nigel stand wie verabredet pünktlich um 09:55 am Schiff und wir hießen ihn herzlich an Bord willkommen. Da war er nun und es gab auch kein Zurück mehr. Nach einer gemeinsamen Tasse Tee an Bord erledigten wir die ganzen Formalien und legten schließlich bilderbuchmäßig vom Steg der Hamble Point Marina ab. Nigel war das, was man einen erfahrenen Seebären nennt. Sehr freundlich und einige hundert Prüfungen und zig tausende Seemeilen an Erfahrung reich. Die Prüfungsdauer war auf 11 Stunden angesetzt. Schon bald konnten wir die Segel setzen und mit einer angenehmen Brise stellte er mir eine Aufgabe nach der nächsten. Immer sehr freundlich und respektvoll. Gegen Mittag steuerten wir dann Lymington im Westen des Solents an. Auf dem Weg dorthin hatten wir bereits die Schiffsbegehung, das MOB Manöver, eine sog. „Blind Navigation“ mit Hilfe des Radars sowie allerhand theoretische Aufgaben auf seiner Prüfungsliste abgearbeitet. In der Lymington Yacht Haven Marina machten wir dann eine Mittagspause, bevor wir mit uns bei auflaufendem Wasser unter Segeln wieder Richtung Hamble auf den Rückweg machten. Kurz vor 17:00 legten wir noch an einer Mooring im Strom an als Nigel dann verkündete: „Set cours back to Hamble Point Marina“. Es sah so aus, als hätte sich Nigel einen umfassenden Gesamteindruck verschafft und wollte die Prüfung vorzeitig beenden. Bei meiner ersten Führerscheinprüfung hat der Prüfer damals etwas sehr ähnliches gesagt. Allerdings durfte ich die Prüfung dann 2 Monate später und 5 Fahrstunden mehr auf der Uhr noch einmal wiederholen!

„Congratulation and welcome in the club of RYA Yachtmasters“ gepaart mit einem kräftigen Händedruck machten den Tag dann perfekt. Wow, wow, wow! Das breite Grinsen von Michael und Emma war schwerlich zu übersehen. Geschafft! Viele Wochen lernen eine saubere und fundierte Ausbildung durch Michael haben  am Ende zum Erfolg geführt! Ein tolles Gefühl und ein rundum rundes Konzept gepaart mit vielen wertvollen Tipps und neuen Lerninhalten, hat mein seglerisches Niveau auf ein neues Level gehoben. Müsste lügen wenn ich behaupten würde, dass ich nicht sogar ein wenig stolz auf das Erreichte war und bin.

Zusammengefasst bin ich der ehrlichen Überzeugung, dass jeder der ernsthafte Ambitionen in der Segelei und Freude an einer fundierten Ausbildung hat, eine Ausbildung zum Yachtmaster in Betracht ziehen sollte. Machen müssen hätte ich es ja nicht nach einer erfolgreichen Weltumsegelung und gesegelten 50.000 Seemeilen. Aber aus meiner Erfahrung heraus,  kann ich jedem Aspiranten die Segelschule Sailingscircle.de aus voller Überzeugung wärmstens empfehlen. Es muss ja nicht gleich der Yachtmaster Offshore sein. Danke Emma für Deine Geduld und moralische Unterstützung und danke Michael, dass ich noch so viel Gutes von Dir lernen durfte 🙂

Wie gesagt…… „another thing ticked off my bucket list“ 🙂

7 thoughts on “Always on the bucket list……

  • May 28, 2019 at 10:57 pm
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    Das ist Klasse Dietmar. Herzlichen Glückwunsch…Liebe Grüsse an Euch alle…

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  • May 29, 2019 at 1:40 pm
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    Wahnsinn Dietmar, nochmal herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung.Toll.
    VG Chris und Isa von der Seven CS.

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    • May 29, 2019 at 2:42 pm
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      Lieben Dank auch Euch Beiden 🙂 Habe mir gerade auf Marine Traffic Eure Seven Cs angesehen. Ein wirklich schönes Schiff 🙂 Und in Makkum befindet Ihr Euch genau dort wo Cesarina nach der Havarie in 1995 zu dem gemacht wurde was Sie heute ist (Bei Claasen Shipyard)
      Fair Winds

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  • June 2, 2019 at 3:56 pm
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    Moin und herzlichen Glückwunsch zum RYA-Yachtmaster,
    lieber Dietmar. Ich bin stolz auf Dich!!!
    Leider habe ich meinen Versuch damals in Gibraltar abbrechen müssen.
    Allerdings habe ich trotzdem die letzten 10tsd-sm geschafft.
    Würde mich sehr über ein Wiedersehen in der Ostsee freuen, denn hier ging ja mal alles los….
    LG Dierk, SY SAMIRA.

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  • June 6, 2019 at 9:45 am
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    Hi Dietmar, herzlichen Glückwunsch zu deiner bestandenen RYA Prüfung. Respekt! Wir haben gesehen, dass du mittlerweile wieder in „good old Germany“ angekommen ist. Wir selbst haben uns endlich mal etwas mehr Zeit genommen und sind derzeit mit der SUMMER um Mallorca unterwegs. Schiff und Mannschaft gehts gut und wir wollen noch bis Ende September im MM rumtingeln. Viele Grüße Anke und Christian

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