Neue Perspektive – Neues Glück

Es ist ja nun schon eine Weile her, dass ich unsere Website mit Leben erfüllt habe. Zugegebenermaßen wusste auch nicht mehr, was ich überhaupt schreiben sollte. Nachdem ich CESARINA auf wieder auf den gleichen Blöcken abgestellt habe, auf denen ich sie im Juni 2015 das erste Mal in der Marina von Angra do Heroism auf der Azoreninsel Terceira gesehen habe, fehlte mir auch jegliche Idee und Vision, wie denn die Reise weitergehen soll. Es ist verdammt viel passiert in den drei Jahren nachdem wir den Hafen verlassen haben, und zu unserer langen Reise rund um den Erdball angetreten sind.

Angefüllt mit Träumen, Abenteuerlust und einer vagen Vorstellung was uns erwarten würde, habe ich die Herausforderung angenommen mein Traumschiff über die Meere segeln zu wollen. Die größte Herausforderung daran war, ein teilweise „marodes“ Schiff während des Törns wieder in einen akzeptablen Zustand zu versetzen und am Laufen zu halten. Gute Freunde haben mir mehrfach zu Beginn davon abgeraten, sich auf dieses „Abenteuer einzulassen. Sie betrachteten CESARINA als mit zu vielen Baustellen behaftet, als zu unkomfortabel und unter widrigen Bedingungen schwer zu beherrschen, allein schon wegen ihrer Größe und Ihren 24 Tonnen Gewicht und obendrein als grenzwertig wartungsintensiv. Im Nachhinein betrachtet stimmte das auch aber genau das machte den großen Reiz für mich aus. Die oft gängige Version mit Hydraulikwinschen, um die schweren Segel zu setzen, und zweckmäßigem Kunststoffdeck, anstatt den ständig nach Neulack verlangenden Holzaufbauten oder Salzwasserduschen im Cockpit anstatt der Champagnerflöte und gebügeltem Hemd im geschützten Salon, kann ja jeder. So gut wie alle Teile am Schiff wurden bisher gewechselt und verbessert und die intensive Instandhaltung hat mich sehr mit CESARINA in jeglicher Hinsicht verbunden.

Dafür ist und war CESARINA durch Ihre klassische Schönheit und Ihre Einmaligkeit überall auf der Welt ein Magnet für interessante Menschen und Begegnungen. Sie hat für sich selber gesprochen und Menschen mit Ihrer Ausstrahlung begeistert. Ähnlich verhält es sich mit einem klassischen Mercedes 300SL Gullwing. Man muss keine Ahnung von Autos haben und fühlt trotzdem unmittelbar, dass dieses Fahrzeug etwas Besonderes ist.

Genauso empfinde ich für sie immer noch auch wenn ich mittlerweile eingesehen habe, dass es viel Energie kostet einen Klassiker in Schuss zu halten und sie nie perfekt sein wird. Das muss man akzeptieren, um nicht komplett sein Nervenkostüm zu ruinieren. Der Lohn ist das schöne Gefühl von Stolz ein wunderbares Schiff zu segeln, welches einem immer wieder ein breites Grinsen in Gesicht zaubert. So soll es sein.

Nach dem gescheiterten Versuch sie im Sommer letzten Jahres nach England zu segeln, lebe ich hier mit Emma in Süd-Ost-England und versuche mein Leben neu auszurichten. Die ersten Monate waren manchmal ziemlich schwierig. Ich hatte keine Ahnung wie es weitergehen soll. Emma ist 130%-tig in Ihrem Job eingespannt und oft erst spät zu Hause. Aber allein weiter zu reisen ist keine Alternative für mich. Hier in England nur meine Zeit abzusitzen und auf bessere Zeiten zu warten, ist aber auch nicht gerade die Lösung. Ich weiß aber aus Gesprächen mit anderen Langzeitseglern und Rückkehrern, dass ich nicht allein damit zu kämpfen habe, das Leben „nach der Reise“ neu zu sortieren und eine neue Perspektive zu entwickeln. Am besten geht man dabei wohl Step by Step vor und packt die Brechstange gar nicht erst aus. Obwohl…… 

Mitte Februar werde ich wieder nach Terceira fliegen, um CESARINA für den nächsten Törn vorzubereiten. Mit zwei großen Koffern voller neuem Werkzeug und Ersatzteilen und einer Tasche Handgepäck mit Wäsche geht es bald los. Das macht Freude. Werde unter anderem das Teak auf dem Deckhaus neu dichten und schleifen und eine lange Liste von Reparaturen in Angriff nehmen. Einen großen Teil davon habe ich ja schon letztes Jahr erledigt. Das Wellenlager hat mich fast zur Verzweiflung getrieben. Langweilig wird es sicherlich nicht.

Bevor ich mit Emma und unserem segelerprobtem Freund Franjo im Mai dann wieder mit Ziel England und danach Kiel in See stechen, steht aber ein weiteres Event auf dem Plan. Am 16. März heiraten wir in England  Wir haben unsere Beziehung ja unter verschärften Bedingungen erfolgreich erprobt. Sie liebt das Reisen genau wie ich und wir träumen gemeinsam davon, wieder abzulegen und weiteren großartigen Menschen und Ländern zu begegnen.

Dieses Jahr wollen wir in meinem alten Revier der Ostsee verbringen und nach Schweden, Finnland und St. Petersburg segeln. Allerdings ist Emmas freie Zeit begrenzt und den einen oder anderen Törn werde ich dann wohl mit Freunden zusammen machen. Ideen und geneigte Mitsegler dafür hätte ich schon. Alles Weitere bleibt weiterhin offen.

Es ist auch möglich, dass ich wieder einen Job annehme, der mir eine erfüllende Aufgabe bietet. Warum auch nicht? Im Januar hat mich ein alter Freund, Buchautor und Arzt aus München eingeladen, an seinem 65. Geburtstag einen Vortrag über die letzten 5 Jahre an Bord zu halten. Ich habe vor seinem hochinteressanten Freundeskreis von Nichtseglern über das Thema Glück, Begegnungen, die mein Denken und Ansichten beeinflusst haben und „Entscheidungen treffen“ gesprochen. Es war das Gegenstück zum klassischen Reisebericht und hatte mit dem Thema Segeln nur am Rande zu tun. Dem Feedback nach, hat es dem Publikum anscheinend ganz gut gefallen. In den eineinhalb Stunden hat zumindest niemand den Raum verlassen und anschließenden Diskussionen bis zwei Uhr morgens waren sehr bereichernd  Es war ein grandioses Gefühl, andere Menschen mit auf die Reise zu nehmen und mit diesen Themen abzuholen. Priceless!

Mitte letzten Jahres hatte ich noch ganz andere Pläne. Ich hatte die Schnauze so dermaßen voll vom Segeln, daß ich CESARINA schon bei einem Broker in England zum Verkauf avisiert hatte. Hätte der Törn nach England geklappt, hätte sie jetzt wahrscheinlich schon einen neuen Eigner. Wetter und Technik haben uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich wusste lange Zeit nicht, ob ich darüber froh oder unglücklich sein sollte. Wollte uns eigentlich ein Haus mit Garten, Hund, Hühnern und Enten kaufen und dem Meer den Rücken kehren. Als dann der erste potentielle Käufer aus Frankreich vor der Tür stand, habe ich ihm dann überzeugt, dass CESARINA überhaupt gar nicht das passende Schiff für ihn sei  Habe ihm dann 2 Angebote von anderen S&S Yachten geschickt, die viel besser zu ihm passen würden. Ich kannte den Mann schließlich gar nicht und hätte meinen Schatz sowieso nur an jemanden gegeben, der ihrer „würdig“ ist. Muss dazu sagen, dass CESARINA niemals im Markt war und auch der Franzose mich gefragt habe, ob sie evtl. zu verkaufen wäre. War nach den Gesprächen zwar auch nicht glücklicher, da sich mein Frust immer noch vorhanden war aber immerhin fühlte ich, dass ich für eine Trennung noch nicht bereit war.

Emma redet zwar öfters mal davon, dass sie gern ein Schiff aus Aluminium mit Mittelcockpit, Waschmaschine, Duschkabine, Rollsegeln und Pilothouse hätte mit dem man auch ins Eis segeln kann. Ihr gefällt die Vorstellung von Komfort doch sie liebt CESARINA genau wie ich. Hat sie uns zusammen doch sicher von Panama nach Indonesien gebracht. Ich will aber nicht ausschließen, dass ein Aluschiff eines Tages in Betracht kommt. Nichts ist für immer und alles hat seine Zeit 

One thought on “Neue Perspektive – Neues Glück

  • February 9, 2019 at 10:21 pm
    Permalink

    Danke Dietmar, für den neuerlichen „Zwischenstand“. Ich lese Deine Beiträge immer sehr konzentriert und vielleicht sehen wir uns ja dieses Jahr zufällig in der Ostsee.
    Zunächst einmal wünsche ich Euch am 16. März eine Traumhochzeit! Und natürlich ewiges Glück, gespickt mit ein paar Nickelichkeiten, damit Ihr das Glück besser schätzen könnt😊

    Viele Grüße
    André

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *