Endlich neue Segel

Wir waren wieder in Europa und das Wetter gab sich sehr deutsch. Den ganzen Morgen regnete es ergiebig. So waren wir erst gegen elf Uhr auf dem Weg zum Einklarieren, ordentlich verpackt in unseren Regenjacken ­čÖé Das erstes Mal in der EU einzuklarieren ging ganz unb├╝rokratisch am Computer und hat nur f├╝nf Euro f├╝r drei Tage gekostet. Nach drei Tagen muss man das ganze Spiel aber wohl wiederholen. Das h├Ârte sich doch etwas l├Ąstig an. Gut, dass wir nicht so lange bleiben wollten.
Mit den Zoll und Schiffspapieren machten wir uns auf den Weg zur hiesigen NORTH SAILS Vertretung. Unsere Segel lagen seit vor Weihnachten auf Martinique beim Zoll und sollten direkt auf die CESARINA importiert werden. Wenn alles gut lief, w├╝rden sie bereits morgen Nachmittag geliefert werden.
Jetzt brauchten wir nur noch einen geeigneten Liegeplatz. Wie oft in der Karibik liegen die Boote in der Marina mit dem Heck zum Steg und werden am Bug von einer Mooring gehalten. Da wir aber durch das schlanke Yachtheck hinten so schlecht vom Boot kommen und schon gar nicht mit unseren Segeln beladen an Bord kommen, suchten wir einen Liegeplatz mit einem seitlichen Steg. Davon gab es ein paar wenige in der Marina. Jetzt m├╝ssten wir nur noch einen f├╝r uns ergattern.
Im Marinab├╝ro konnte man uns da nicht weiter helfen und so mussten wir den Hafenmeister auf Kanal 09 anfunken. Dieser arme und wirklich vielbesch├Ąftigte Mann war gar nicht so einfach zu erreichen. Einen geeigneten Liegeplatz hatten wir gegen├╝ber von der Tankstelle ausgemacht. Dort lag noch ein deutsches Boot, die SY SUNRISE, die wir von der ARC her noch kannten. Die Crew plante im Laufe des Nachmittags weitersegeln und wir wollten diesen Platz dann gern ├╝bernehmen. Dieses teilten wir per Funk dem Hafenmeister mit, der keine Einw├Ąnde dagegen hatte. Er wollte uns Bescheid sagen, wenn die SY SUNRISE abgelegt hatte und unser Platz verf├╝gbar w├Ąre.
Die Geduld des Kapit├Ąns wurde heute mal wieder kr├Ąftig auf die Probe gestellt, denn es dauerte bis kurz vor Sonnenuntergang, bis wir endlich an der Reihe waren. Schon lange hatten wir das Dinghi auf dem Deck verzurrt, die Fender und Leinen klar gemacht und waren bereit, unsere neue und schon lange freie Box anzusteuern. Aber hier ging es nicht wirklich der Reihe nach. Vom offenen Meer kam ein Boot nach dem anderen und alle wollten einen Liegeplatz. Um das Chaos im Hafen m├Âglichst gering zu halten, mussten zuerst die versorgt werden, die am meisten im Weg standen. Wir lagen vor Anker und lagen damit gar kein bisschen im Weg ­čÖé Aber immerhin hat er uns nicht vergessen. Vielleich deshalb, weil Dietmar ihn alle 30 Minuten freundlich nach dem Stand der Dinge fragte ­čÖé
Den Abend verbrachten wir in netter norwegischer Gesellschaft. Bernd, der an Bord der SY Santa Cruz durch die Karibik segelte, war bereits schon unser Stegnachbar in der Rodney Bay Marina. Auch in Bequia waren wir ihm wieder begegnet. Und da ja bekanntlich alle guten Dinge drei sind, gingen wir heute Abend gemeinsam zum Essen ­čÖé
Die Nacht in der Marina war unglaublich war und die M├╝cken hatten es auf uns abgesehen. Ja, Ihr habt richtig gelesen: auf UNS ­čÖé Anscheinend gibt es doch noch Gerechtigkeit im Leben. Die karibischen M├╝cken sind Dietmar nicht so abgeneigt wie die deutschen und auch wenn sich die Anzahl der Stiche noch nicht ganz fair verteilt, bin ich doch nicht mehr die Einzige, die geplagt und gebissen wird. Die Zeiten, dass Dietmar mich scherzhaft als ÔÇ×OpferanodeÔÇť bezeichnen konnte, sind eindeutig vorbei ­čÖé
Etwas ├╝bern├Ąchtigt machten wir uns am n├Ąchsten Morgen daran, unsere Segel abzubauen. Bernd half uns dabei und zu Dritt war die Arbeit schnell erledigt. Trotzdem zehrte die Hitze an unseren Kr├Ąften und schlug besonders mir heute sehr auf die Motivation. Sogar zum Schlafen war es tags├╝ber zu warm. Und im Hafen schwimmen war keine reizvolle Alternative.
Aber da sich die Arbeit bekanntlich nicht von allein erledigt, halfen keine Ausreden. Am Nachmittag machten wir uns auf dem Weg zu Garvin von NORTH SAILS. Der Zoll hatte sein Versprechen gehalten und wir konnten unsere neuen Segel auf einen Trolley laden. Diesen musste Dietmar gef├╝hlt durch die halbe Stadt bis zu unserem Steg zur├╝ck bugsieren. Ich war schon allein vom Laufen bei der W├Ąrme ziemlich hin├╝ber und total nass geschwitzt. Aber wir wollten m├Âglichst schnell wissen, ob die so sehns├╝chtig erwarteten Segel denn jetzt letztendlich auch auf unser Schiff passen w├╝rden. Nicht, dass es jetzt noch ein b├Âses Erwachen gab.
So machten wir uns gleich ans Werk. Der Wind war an diesem Nachmittag auch ziemlich eingeschlafen, was optimal zum Hochziehen der Segel im Hafen ist. Leider blieb somit aber auch jede Abk├╝hlung aus. Wir begannen mit dem kleinsten Segel, der Kutterfock. Die stand unserer CESARINA schon mal ganz hervorragend und auch die wenig sp├Ąter angeschlagene Genua passte wie angegossen. Nur beim Einrollen hatten wir leichte Probleme, weil die neuen Segel noch steif und sperrig waren. Das w├╝rde sich aber mit der Zeit geben.
Jetzt mussten nur noch unsere alten Segel zur├╝ck zu NOTH SAILS. Denn die Mastrutscher sollten vom alten Gro├čsegel abgeschnitten und an dem neuen wieder angen├Ąht werden. Also wurde der Trolley wieder schwer beladen und es ging denselben beschwerlichen Weg zum Segelmacher zur├╝ck. Morgen Nachmittag um vier sollte die Arbeit erledigt sein. Den freien Tag wollten wir f├╝r einen Inselauslug nutzen. So reservierten wir noch ein Auto f├╝r den n├Ąchsten Tag und fielen nach dem Abendessen wie erschlagen ins Bett.

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