Karibik für Anfänger

Martinique liegt zwar in der Karibik, ist aber ein Teil von Frankreich. So findet man hier sozusagen: Karibik light 🙂
Man bezahlt mit Euro. Das ist natürlich sehr angenehm und erspart einem das Umrechnen mit dem Faktor 2,8. Das im Kopf zu rechnen ist schon recht anspruchsvoll. Die Preise sind moderat und weder vom Nasenfaktor des Verkäufers noch von der Hautfarbe des Käufers abhängig. Außerdem bekommt man auf der Insel fast alles, was das Herz begehrt 🙂 Und gibt es keine Boatboys, die einem dauernd etwas verkaufen wollen. Somit liefert aber auch niemand mehr direkt ans Boot. Das ist eigentlich etwas schade 🙂
Die Straßen sind in einem guten Zustand, es gibt Verkehrsschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen und erfreulicherweise wird auf der „richtigen“ Straßenseite gefahren. Das waren genug Gründe, um uns zu überzeugen, hier ein Auto zu mieten.
Nachteil der französischen „Kolonie“ ist aber, dass viele Menschen wenig bis gar kein Englisch sprechen. Jetzt mussten wir uns mit unserem Französisch mehr schlecht als recht durchwurschteln.
Morgens gleich nach dem Frühstück holten wir unseren Mietwagen ab. Das war eine echte Herausforderung, da die Mietwagenstation im Marine-Zentrum umgezogen war und jeder, den wir fragten noch nie von ihr gehört hatte. Dagegen war die Orientierung auf Martiniques Straßen dann ein Kinderspiel. Vorbei an der Hauptstadt Fort-de-France ging es auf einer kleinen kurvigen Straße in die Berge und den Regenwald. Unsere Erste Station war in Batala-Touret, wo ein verkleinerter Nachbau der bekannten Pariser Kathedrale Sacre Coeur zu sehen ist. Naja, die konnte uns aber nicht so besonders begeistern, aber gut. In den Bildergalerien findet Ihr Fotos, dann könnt Ihr Euch selber ein Bild machen :-). Aber die Aussicht auf Fort-de-France war sehr schön.
Aber der Regenwald, der sich rechts und links von der Straße die steilen Berghänge hinaufzog, war wunderschön. Immer wieder kreuzten Bäche die Straße und tief hängende Wolken mit Regenschauern machten deutlich, dass der Name hier Programm ist.
Ganz im Norden wollten wir eigentlich zum Vulkan der Insel hinauf fahren, aber der hüllte sich in dichte Wolken. Anfang des 19. Jahrhunderts war dieser Auslöser einer Katastrophe, bei der die damalige Hauptstadt St. Pierre komplett zerstört und 30.000 Menschen getötet wurden. St. Pierre war zu dieser Zeit das Paris der Karibik und die Menschen, die am Fuße des Vulkans lebten, unterschätzten die Gefahr. Am 4. Mai 1902 um 7.52 Uhr wurde die ganze Stadt von einer 150 Stundenkilometer schnellen und 2000° heißen Lava-Lawine überrollt. Sogar die Schiffe im Hafen fingen Feuer und die Fensterscheiben schmolzen zu Klumpen zusammen. Die Einwohner hatten keine Chance und verbrannten in Minuten zu Asche.
Ein Teil der Ruinen ist noch sehr gut erhalten, wie zum Beispiel das alte Theater oder das Gefängnis. Hier fanden die Helfer, die nach dem Vulkanausbruch nach St. Pierre kamen, den einzigen Überlebenden. Der Mann saß im Gefängnis und wurde nach drei Tagen schwer verbrannt und halb verhungert endlich befreit. Ist doch immer wieder erstaunlich, die das Schicksal so spielt 🙂
Die Stadt hat sich nach dem Vulkanausbruch nie wieder erholt und ist leider recht heruntergekommen. Trotzdem fanden wir ein nettes Restaurant, in dem wir uns ein leckeres Mittagessen schmecken ließen. Danach ging es an der Küste entlang wieder zurück nach Le Marin. Um vier Uhr sollte das Großsegel angeliefert werden, an das der Segelmacher Garvin von NORTH SAILS noch die Mastrutscher nähen musste. Während Dietmar sich um das Segel kümmerte, wollte ich unser Luxusauto noch zu einem ausgiebigen Lebensmitteleinkauf nutzen. Hier auf Martinique gibt es die Supermarkt-Kette Carrefour und nach dem, was wir gehört hatten, sollte die Auswahl groß und die Preise (für karibische Verhältnisse) klein sein.
Am Abend waren wir dann noch mit Ralf und Sylvia von der SY FELUKA verabredet. Die Beiden haben auch an der ARC teilgenommen und bleiben bis Ende der Saison in der Karibik. Schon in Saint Lucia hatten wir am selben Steg gelegen, aber ein Treffen hatte sich nie ergeben. Das würde jetzt aber auch mal Zeit 🙂 und natürlich war es ein lustiger Abend. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.

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