Tag 2: Erfahrung Panamakanal…… Himmel und wenig Hölle zugleich

Die Nacht auf dem Gatun See verlief sehr ruhig. Es war nur so unglaublich heiß unter Deck weil die Luft über dem See praktisch stand. Pünktlich um 5:50 Uhr in der Früh sprangen Emma und ich aus dem Bett. Schließlich sollte heute der neue Advisor pünktlich um 7:00 an Bord kommen und uns bei dem zweiten Teil der Strecke bis zum Pazifik begleiten. Doch zuvor warteten noch drei ausgewachsene Mannsbilder mit dicken Armen im Cockpit auf das von Emma versprochene kräftige Frühstück.

Schon 10 Minuten später zog der Geruch von circa zwanzig Scheiben gebratenem Speck durch das Schiff. Man konnte förmlich das Knurren der Mägen von Joel, Tomas und Oskar bis zur Pantry hören. Und überhaupt hatten sich die drei Jungs, die gestern einen so hervorragenden Job erledigt haben, sich schwer in Emmas Kochkünste verliebt 🙂 Es ist nun einmal so ihre Art, dass sich unsere Gäste an Bord wohl fühlen. In unserem Fall auch ein wenig Kalkül im Spiel. Emma wollte auch bezwecken, dass sich die drei Profis gut und gern weiterhin um CESARINA kümmern. Da hatte ich es schon etwas schwerer mit meinen Kaffee-Kochkünsten die hohen Erwartungen zu erfüllen.. Allerdings hatten die drei Kameraden ohne zu murren bereits zwei Kannen klaglos ausgetrunken, bevor die vollen Teller mit Rührei und Toast serviert worden sind.

Wie es so meine Art ist, wurde ich schon kurz vor 7:00 nervös weil sich das Frühstück immer weiter in die Länge zog. Die Jungs fanden einfach kein Ende und futterten wirklich gnadenlos alles in sich rein, was Emma auf den Tisch gestellt hat. Joel, der Kopf der Truppe, rief gegen 7:30 bei der Kanalgesellschaft an und sagte uns, dass der Advisor gegen 8:30 kommen würde. Also war noch etwas Zeit, um klar Schiff zu machen und noch eine Runde im See zu baden. Interessanterweise besteht der Gatun Lake aus Süßwasser und ist so sauber, dass Panama City von hier aus mit Trinkwasser versorgt wird. Das Beste aber ist, dass es keine Moskitos gibt :-).Um 8:45 wurde der Advisor „Victor“ vom Pilotboot bei uns an Bord abgesetzt und wir legten danach unverzüglich von der Mooringboje ab.

Immerhin hatten wir heute drei Schleusen zu bewältigen und einen Weg von gut 35 Seemeilen bis zum Pazifik zu bewältigen. Victor war circa 60 Jahre alt und stand schon 20 Jahre im Dienst der Kanalgesellschaft. Man kann nicht gerade behaupten, dass er besonders sympathisch war. Zumindest für mich war er sehr schwer zu verstehen wenn es darum ging, seine Anweisungen zu verstehen. Davon gab es auch nicht gerade sehr viele, denn die meiste Zeit war er damit beschäftigt mit seinem Telefon zu spielen.

Es hatte ihm auch sichtlich so überhaupt nicht gepasst, dass Emma für einige Zeit das Steuer übernommen hatte. Ansonsten war es mir aber sehr egal, weil der Weg bis zur Schleuse Nummer vier sowieso klar war. Die Landschaft war sehr schön und wir konnten sogar ein paar fette Krokodile am Ufer entdecken, die es sich in der Sonne gut gehen ließen. Es war auch erstaunlich, wie schnell man sich an die gigantisch großen Fracht und Containerschiffe gewöhnt hat, die uns ständig begegneten.

Pünktlich um 14:00 erreichten wir dann die vierte der insgesamt sechs Schleusenkammern, die sogenannte „Pedro Miguel Locks“. Jetzt wurde die ganze Nummer sehr spannend. Aus irgendeinem Grund lag heute eine latente Spannung in der Luft. Emma und ich waren uns einig, dass wir zu Victor nicht einmal ansatzweise so viel Vertrauen hatten wie gestern zu seinem Kollegen „Moises“. Natürlich konnte er nichts dafür, dass es vor der Schleuse einen kräftigen Stau gab und alles scheinbar drunter und drüber ging. Nach gut 20 Minuten Wartezeit vor der Schleuse, nahmen wir die amerikanische Yacht „LIBERTE“ an backbord längsseits und fuhren im „Päckchen“ langsam in die Schleuse ein.

Der „Hammer“ kam aber genau in dem Moment als wir die Schleusentore passierten, stand Victor auf und verabschiedete sich auf seinem Weg unter Deck zur Toilette mit den Worten „ Du kommunizierst jetzt direkt mit dem Steuermann von der LIBERTE und bringst Euch in Position in der Schleuse“. Ich warf einen kurzen Blick zu Patricia, die sichtlich übernervös und zitterig am Steuer und Gashebel der LIBERTE stand und erklärte ihr die Situation. Damit übernahm ich das Kommando und steuerte unsere Schiffe in die Kammer hinein.

Patricia war so nervös, dass ich jedes Kommando einmal laut wiederholen musste, bevor sie es dann umsetzte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass wir in der Schleuse einen kräftigen Wind von hinten und Strömung von vorne hatten. CESARINA ist aber ein schweres Schiff und wir meisterten die Manöver genau so, wie wir es am Vortag von Moises gelernt hatten. Joels Team machte dann den Sack zu und brachte uns sicher die 5 Meter in die Tiefe hinunter. Geschafft! Puh, was geht das an die Nerven.

Pünktlich zum Öffnen der Schleusentore war Victor auch wieder da. Gleich darauf schoss er schon den nächsten Bock mit der Frage. „Wann ist denn hier Essenszeit an Bord?“ Emma fragte wie gewohnt höflich nach, ob er denn jetzt Hunger hätte? Genau das hatte er. Ausgerechnet jetzt vor den letzten zwei Schleusen! Der Kerl hat so viele Stunden Zeit gehabt! Leider ist jedes Schiff dazu verpflichtet, dem Lotsen eine warme Mahlzeit zu servieren. Emmas Augen sprühten Feuer und auch ihre Körpersprache war eindeutig.

Um 14:40 steuerte CESARINA mit dem Gast an ihrer Seite in die „Miraflores Locks“. Alles ging wie auch zuvor schon glatt. Victor hatte nichts Besseres zu tun als auf sein Telefon zu gucken und dabei Emmas Spezialgericht zu futtern. Dafür hatte es die Speise in sich. Reis, Tomatensoße und Huhn wurde mit einer ordentlichen Portion Tabasco versetzt und dann serviert. Das hat garantiert zweimal gebrannt 🙂 Allerdings hat sich der Bursche nichts anmerken lassen. Das muss man ihm schon lassen :-).

Kurz nach 16:00 öffneten sich dann die Tore der letzten Schleuse und der Pazifik lag vor unserem Bug. Die ganze Stimmung wurde aber dadurch getrübt, dass direkt vor uns ein Trimaran an der Schleusenwand lag und scheinbar Probleme mit seiner Maschine hatte, so dass er nicht allein aus der Schleuse herausfahren konnte. Victor und sein Kollege auf der LIBERTE konnten sich nicht einigen, wie wir vorgehen sollten. Am Ende lösten wir die Leinen von der LIBERTE und fuhren nacheinander an dem Trimaran vorbei aus der Schleuse heraus. Mir hat das Herz geblutet an der sympathischen auf dem Trimaran vorbei zu fahren und sie ihrem Schicksal überlassen zu müssen. In der Kammer ist aber der Spielraum zum Manövrieren sehr begrenzt und meiner Einschätzung nach wegen Strömung und Wind auch riskant. Ich konnte mich einfach nicht über das Geleistete freuen weil ich immer an die Jungs in der Schleuse denken musste. Nach 20 Minuten sahen wir den Tri dann aber kommen. Keine Ahnung, was das Problem gewesen ist aber ich war sehr froh, dass sie es geschafft hatten.

Nach gut 30 Minuten wurde Victor dann vom Pilotenboot abgeholt. Natürlich ging er ohne sich zu verabschieden. Genau in dem Moment als er außer Hörweite war, entluden sich dann die Emotionen. Alle waren froh, dass der Mann endlich wieder von Bord war….. !

Unser Agent Roy, hatte für uns einen Liegeplatz in der Marina „La Playita“ reserviert, in der wir wenig später unsere CESARINA an einem Steg sicher angelegt haben. Die Jungs bekamen von uns ein gutes Trinkgeld für den tollen Job und zum Abschluss tranken wir ein gemeinsames Anlegerbier in der Marina 🙂

Total erledigt von der nervlichen Anspannung und den hohen Temperaturen, ging es dann relativ früh ins Bett. Man, was war das für zwei aufregende Tage mit allen Höhen und ein paar wenigen Tiefen. Die Entscheidung drei Profis mit an Bord zu nehmen war goldrichtig und wenn es auch teilweise sehr anstrengend war, kann uns diese Erfahrung niemand mehr nehmen.

So viele Jahre lang habe ich ganz besonders bei dem Gedanken an den Panamakanal teilweise Albträume gehabt. Geschichten über Geschichten habe ich über mich ergehen lassen, die mit Horrorstories gespickt waren. Vielleicht war das ja auch ein Teil der Prüfung, sich trotz all dieser Geschichten diesen Schritt zu wagen und am Ende zu bestehen. Die nervliche Anspannung war im Vorfeld zumindest für mich sehr groß. Das Glücksgefühl war am Ende des ersten Tages aber riesig. Ich bin dankbar, dass Emma uns den Rücken mit ihrer liebenswerten Art und ihrer guten Planung so gut freigehalten hat. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich nicht annähernd so cool und ruhig geblieben. In einem guten Team und mit guten Leuten ist einfach alles möglich. Trotzdem wird es noch ein wenig dauern, bis das Erlebte und die vielen neuen intensiven Eindrücke sich gesetzt haben. In den letzten Monaten ist so unfassbar viel passiert, dass wir ein wenig Ruhe und Abstand gut gebrauchen können. Die ganzen technischen Probleme am Rande, haben zusätzlich noch ihren Beitrag geleistet. Die Uhren ticken hier einfach ganz anders und mal eben eine komplett neue Navigation zu installieren war auch eine Herausforderung der besonderen Art. Fazit: Wir haben nicht aufgeben es am Ende geschafft! Nur das allein zählt. 🙂

Auf der Überfahrt nach Galapagos wird uns genügend Zeit dazu bleiben. Das Leben ist und bleibt spannend. Wir sind bereit für neue Abenteuer…..

 

2 thoughts on “Tag 2: Erfahrung Panamakanal…… Himmel und wenig Hölle zugleich

  • April 2, 2017 at 7:29 am
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    Hallo Sailors,
    Ein toller und beeindruckender Report, denn sonst liest man ja nur süße und nette romantische Stories von und über diese Breitengrade, aber nie etwas über die schnell wechselnden Winde und Strömungen im P-Kanal, well done wie der Kölner sagt!
    Ja diese Menschen aus diesen Breitengraden können keine Hektik und genießen halt besser das Leben wie wir Nordeuropäischen.
    Ein schönes kühles Bier und eine Zigarette habt Ihr verdient
    Gruß aus Köln und weiter immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.http://www.wkuhnert.de/shopseiten/eti-RBneu.jpg
    Hans Etheber

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  • May 11, 2017 at 9:49 am
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    Hey nice post! I hope it’s alright that I shared
    this on my Facebook, if not, no worries just tell me and I’ll delete it.
    Either way keep up the good work.

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