In der ersten Reihe

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Heute Morgen waren wir sehr erholt schon früh unterwegs. Um neun Uhr sollte auf dem Marktplatz ein ganz besonderes Spektakel beginnen. Was genau, hatte uns der Hafenmeister aber nicht verraten. Als wir ankamen, war der gesamte Marktplatz schon komplett überfüllt mit Schaulustigen wie wir und fast 300 Bombo-Trommlern aufgeteilt in ca. 20 Gruppen aus verschiedenen portugiesischen Städten in farbenfrohen Trachten. Gut, dass die Weinprobe von gestern ohne Folgen geblieben war, denn mit einem dickem Kopf wäre das nicht zu ertragen gewesen :-)Vor dem Rathaus durfte jede einzelne Gruppe sich nochmal mit einem Soloauftritt vor den begeisterten Zuschauern präsentieren – und das scheint den Trommlern wirklich im Blut zu liegen. Einziges Risiko: Tinitus-Gefahr! XKH_5223

Zum Abschluss bekamen unsere geschundenen Ohren noch etwas Entspannung, denn das Orchester von Viana do Castelo schlug wesentlich leisere und sehr melodische Töne an. XKH_5276

Jetzt hatten wir uns ein Frühstück redlich verdient. Schon auf dem Hinweg war uns ein besonders einladendes Café ins Auge gefallen. Hier gab es wirklich alles, was das Herz begehrte. Und auch die Höhe der Rechnung ließ am Ende keine Wünsche offen. XKH_5327

Oberhalb von Viana do Castelo auf dem Monte Santa Luzia ist die gleichnamige Wallfahrtskirchen schon aus der Ferne zu sehen. Schon wegen des tollen Weitblicks wollten wir diesen Ort nicht unbesucht lassen. Aber sportlich die 670 Stufen des Pilgerwegs zu erklimmen, reizte uns am Nachmittag nicht wirklich. Schön, dass es alternativ für faule Touristen wie uns noch eine Seilbahn gab. Auf dem Rückweg zum Hafen ließen wir uns noch ein bisschen durch die Straßen treiben, aber irgendwie hatten wir für heute genug „Fiesta“.

So zogen wir uns zum Abendessen ins Restaurant SUMMER zurück. Dort hatte man für heute Abend eine besondere Delikatesse auf der Speisekarte stehen: „Hornhecht, fangfrisch“ 😉

Vor dem Essen wurde es am Wartesteg nochmal spannend. Ein Liegeplatz war noch frei zwischen der SY Ganescha und unserer SUMMER. Diesen hatte eine belgische Yacht ins Visier genommen. Gut, dass wir sie kommen sahen. Dietmar wartete schon am Steg, um die Leinen anzunehmen. Ich war an Bord geblieben, da der Hecht schon in der Pfanne schmorte. Neugierig ging ich aber dann doch an Deck, ein bisschen Hafenkino ist ja immer nett. Gerade rechtzeitig konnte ich noch verhindern, dass unser Anker eine dauerhafte Verbindung mit der belgischen See-Reeling einging, die wahrscheinlich den Kürzeren gezogen hätte. Dietmar versuchte unterdessen, den Bug der Yacht (komplett ohne Fender) möglichst schadenfrei am Steg vorbei zu bugsieren. Die Beiden hatten wohl die starke Strömung des Flusses völlig unterschätzt. Zu viert konnten wir Schlimmeres abwenden sowohl für die belgische Yacht als auch für ihre beiden Nachbarschiffe. Das hätte uns gerade noch gefehlt 🙁

Heute sollte ich mal wieder eine Lektion zum Thema „Reisen bildet“ lernen. Kaum war das Essen serviert, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: Ein Hornhecht hat grüne Y-Gräten. Das lag definitiv nicht am Wein, den wir uns zum Essen gönnten. Etwas misstrauisch ließ ich mich aber schnell vom köstlichen Geschmack überzeugen. Und grüne Gräten sind beim Zerlegen auch viel leichter zu finden 🙂

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Die Vorbereitungen für das Abschlussfeuerwerk liefen auf Hochtouren. Schon mittags hatte man in der Flussmitte eine beachtliche Anzahl großer und kleiner Flöße befestigt, die mit Planen abgedeckt waren. Am Ufer reihten sich Stühle in allen Farben und Formen, wahrscheinlich alle, die es in Viana do Castelo überhaupt gab :-). Wir hatten das große Glück am Wartesteg zufällig in der ersten Reihe gelandet zu sein; hinter uns die Zuschauer und vor uns das Feuerwerk.

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Vor Anbruch der Dunkelheit kam auf dem Fluss Bewegung auf. Segelyachten und Motorboote verließen den Hafen, voll mit Jung und Alt, auf dem Weg zu den besten Ankerplätzen. Die Tribünen hinter uns begannen sich langsam zu füllen.

Auch wir trafen noch die letzten Vorbereitungen. Sicherheitshalber platzierten wir ein Wassereimer auf Deck und brachten Sitzkissen und Getränke ins Cockpit.

Punkt zwölf Uhr ging es dann los. Mehr als 25 Minuten lang wurden farbenprächtige Bilder in den Himmel gezeichnet, ausgehend von der Flussmitte oder der Eisenbahnbrücke. Für uns eines der schönsten Feuerwerke, die wir bisher gesehen hatten. Ungeplant waren wir wieder mal zur rechten Zeit am rechten Ort. Das Leben ist einfach traumhaft!

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Am nächsten Morgen war leichte Kater-Stimmung angesagt. An Land waren die meisten Überreste der Fiesta schon verschwunden. Wir machten uns früh mit ablaufendem Wasser auf den Weg weiter nach Porto. Ohne Nebel, aber auch ohne Wind verging der Tag irgendwie grau in grau.

Nur die Ankunft in der neuen „Douro Marina“ brachte etwas Licht in diesen Tag. Nur drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt wurden wir königlich empfangen. Gleich zwei Marineros begleiteten uns zum Liegeplatz und halfen uns beim Festmachen (Obwohl wir wie meistens alleine glücklicher gewesen wären. Sie ließen aber erst von der SUMMER ab als sie der Meinung waren, jetzt könnten wir beiden Touristen nichts mehr kaputt machen).

Im Hafenbüro bekamen wir nach Erledigung des üblichen Papierkrieges erstmal ein kleines, portugiesisches Gastgeschenk (Leckeren Fisch in Knoblauch-Öl in der Dose), außerdem:

  • den obligatorischen Schlüssel für den Steg und die Porzellanabteilung,
  • eine Karte von Porto. Die besonderen Hinweise, was wie am besten zu besuchen wäre, wurden handschriftlich vom Hafenmeister ergänzt
  • eine Liste von Möglichkeiten, wie die drei Kilometer nach Porto am bequemsten zurück zu legen sind (Boot, Bus, Tram oder gar zu Fuß)
  • die Adresse des Portweinkellers, mit dem der Yachthafen einen besonderen Deal ausgehandelt hat (kein Eintritt und Lieferung des gegebenenfalls gekauften Weins zum Hafen)
  • eine Empfehlungskarte für vier auf unserem Weg liegende Häfen, die uns dort 20% Rabatt einbringen wird
  • die Daten für den Internetzugang (es gibt hier tatsächlich drei Möglichkeiten)
  • Eine Wegbeschreibung zum nächsten Supermarkt
  • Eine Wegbeschreibung zum besten und zweitbesten Restaurant in der Nähe
  • Eine Wegbeschreibung zum Bootservice (Raymarine)

Und zu guter Letzt teilte man uns noch mit, dass morgens die Brötchen zwischen acht und halb neun als Geschenk des Hauses aufs Boot geliefert werden. Was soll man da noch sagen, da sind wir wohl im Paradies gelandet. Und Dank des Verhandlungsgeschicks von Martin von der GANESCHA ist das Paradies auch gar nicht so teuer 🙂

One thought on “In der ersten Reihe

  • August 29, 2014 at 12:53 pm
    Permalink

    Hallo Segler,
    Das muß ja ein tolles Erlebnis für Euch sein und dann noch die grünen Gräten
    vom Hornhecht, einfach Spitze !
    Weiterhin gute Fahrt zum Endziel, wir verfolgen es !

    Herzliche Grüße
    Jutta & Dieter

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