Storchenbein “Ade”

“Ein Segler der sich mehr als 100m von seinem Schiff entfernt ist doch schon ein Landstreicher!” ist eine gängige Aussage unter Seglern, um weiter dem Müßiggang zu frönen und sich ja nicht mehr als nötig bewegen zu müssen. Finde ich ja ab und zu auch wenn ich gerade mal keine Lust habe, Katjas ungebrochenem Unternehmergeist zu entsprechen.

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Für einen kurzen Moment fühlte ich ähnlich, als Peter und Manuela von der SY MELODIE mich fragten, ob Lust auf eine geführte Wanderung durch die bergigen  Eukalyptuswälder des Gorajonay Nationalparks von La Gomera hätte. Ein kurzes Zögern und dann habe ich natürlich(!) spontan zugesagt. In Anbetracht dessen, dass  Langzeit-Segler zwar ihre Arme aber kaum ihre Beine trainieren und aus saftigen Schinken in kurzer Zeit dann haarige Storchenbeine werden, beglückwünschte ich mich insgeheim für diese Entscheidung 🙂 Die Gefahr, dass ich nach 3 weiteren Wochen auf dem Boot unterhalb des Gürtels nicht nur wie ein Storch aussehen würde sondern als Nebeneffekt vielleicht sogar Appetit auf Frösche bekommen könnte, war mit dann zu groß.

Wanderschuhe hatte ich ja seit 5 Monaten an Bord und es nahte die Gelegenheit, diese dann zum ersten Mal auf Tauglichkeit zu testen. Treffpunkt war 9.00 Uhr am Taxistand mit dem Guide Namens Udo. Gemeinsam fuhren wir zum Treffpunkt, der sich in gut 1400m Höhe mitten in der Botanik befand. Schon seit 7:30 bin ich mit dem für mich ungewohnten Schuhwerk im Boot herumgelaufen, um die Dinger schon etwas einzulaufen. Irgendetwas stimmte da nicht denn für dicke Socken, um Blasen an den Füßen zu verhindern, war einfach nicht genügend Platz im Schuh. Verdammt eng waren die Dinger aber was sind schon 4-5 Stunden “spazieren gehen” im Wald?

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Oben angekommen auf dem windigen und von nebligen Wolkenfetzen bedeckten Parkplatz, kam die nächste Dusche. Es herrschten hier “kuschelige” 7,5 °C und ich war froh, dass ich ausnahmsweise eine lange Hose und, auf anraten meiner Frau, eine Jacke mitgenommen hatte. Wir waren viel zu früh dort und mussten noch 30 Minuten auf den Rest der Gruppe warten, die dann aber auch pünktlich eintraf. Das Leben ist schließlich kein Ponyhof!

Die Begrüßung war herzlich und es bereitete mir viel Freude, Peter, Manuela und deren Mitsegler Falk und Holger wieder zu treffen. In einer Gruppe von 15 Leuten ging es dann auch bald los. Bei dem ersten steilen Anstieg über 100 Höhenmeter zum Aufwärmen, konnte ich mich leicht im Mittelfeld der Wandervögel halten. Udo, der in Deutschland Geologie studiert hatte und seit 8 Jahren Treckingtouren auf den Kanaren in allen Schwierigkeitsgraden professionell durchführt, erklärte uns bei kurzen Stopps die Flora und Fauna in einer sehr kurzweiligen Form. Es machte Spaß ihm zuzuhören wenn er von den vielen verschieden heimischen und eingeführte Eukalyptusbaumarten, Farnen und Minzen berichtete. Natürlich konnte sich niemand die lateinischen Bezeichnungen merken aber so einiges ist doch hängen geblieben. Wie z.B. die Geschichte vom kanarischen Schneeball. Dieser hat wunderschöne weiße Blüten, die wie ein Schneeball aussehen. Gemerkt habe ich mir aber nicht den Namen aber nicht weil die Pflanze so schön aussah, sondern weil die leicht pelzigen und auf der Rückseite etwas rauen Blätter bei den Waldarbeitern äußerst beliebt sind. Warum? Weil diese sich angeblich sehr gut als Ersatz für 3-lagige Papierrollen eignen falls die Jungs mal keine dabei haben sollten 🙂

 

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Auch war unser Udo sehr schlagfertig als jemand aus der Gruppe nach einem Glas Schnaps zum Aufwärmen fragte. “Alkohol oh Alkohol, dass Du mein Feind bis weiß ich wohl. Doch in der Bibel steht geschrieben, Deine Feinde sollst Du lieben” war sein Kommentar. Alles lachte und das Thema war vom Tisch. Keine Ahnung, warum ich mir immer nur solche Dinge merken kann 🙂

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Beim ersten längeren und steilen Wegstück bergab über viele Steine und Stufen, hatte ich dann den Salat. Der große Zeh stieß ständig an die Kappe in Schuh und fing so langsam an weh zutun. So ein Mist! Es waren ja erst 45 Minuten seit dem Beginn der Tour vergangen. Tolle Tipps wie die Kappe abzuschneiden und weitere gute Ideen bekam ich mit auf den Weg. Ich beschloss von da an einfach, den “Wandervögeln” Geschichten aus dem Leben zu erzählen und dabei das Ziehen, Stechen und Hämmern im Fuß zu ignorieren, was auch erstaunlich gut gelang. Es waren ja genug Menschen zum Reden da 🙂

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IMG_5019Der Endspurt über 200 Höhenmeter bergauf war meine persönliche Sternstunde. Der Druck im Schuh lag jetzt auf den Fersen und ich konnte endlich einmal richtig Gas geben und mich austoben. Regelrecht im Stechschritt ging es den Weg hinauf und es war richtig angenehm, das leichte Ziehen in den Oberschenkeln zu spüren und sich ein ordentliches Stück von der Gruppe anzusetzen. Udo meinte nur, dass ich mich jetzt wohl richtig eingelaufen hätte. Immer nur hatte ich Sinn, den Storchenbeinen endlich den Kampf anzusagen! “Storchenbein Ade, laufen tut weh” lief die ganze Zeit als Endlosschleife in meinen Gedanken ab 🙂IMG_5022IMG_4988

 

Gegen 16:30 war ich wieder am Boot und fühlte mich blendend. Ein super Tag mit netten Leuten, interessanten Informationen und vielen neuen Eindrücken. Die Nummer von Udo habe ich und wenn Katja wieder da ist, gehen wir noch einmal wandern. Passendes Schuhwerk werde ich schon noch irgendwo dafür finden.

 

One thought on “Storchenbein “Ade”

  • January 20, 2015 at 2:42 pm
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    na du Wandervogel alles grün.Wie ist es so als Strohwitwer.

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