Tahiti oder eine hammerharte Woche fuer unsere Ankerwinsch

Vor genau einer Woche haben wir an dem Schwimmsteg vor der Marina “Papeete Harbor” die Leinen an den Klampen belegt. Die Ueberfahrt von Nuku Hiva/Marquesas hat 6 Tage gedauert und wir hatten so einige Probleme im Gepaeck. Unsere Ankerwinsch von dem englischen Hersteller LEWMAR, hatte unerwartet den Geist aufgegeben. Beim letzten “Anker auf” Manoever in der Bucht vor Nuku Hiva, gab es ein lautes Rumpeln von sich gegenseitig zerstoerenden Zahnraedern im Getriebe. Danach hat das Getriebe dann komplett blockiert und nichts ging mehr. Vermutlich war eine Welle gebrochen. Das Problem an der Sache war, dass der Anker noch in etwa 7 Meter Tiefe an der schweren Kette hing und Emma das Boot langsam in Fahrt halten musste, um es unter Kontrolle halten zu koennen. Mit viel Geduld und allerhand Tricks, habe ich das Biest dann mit Hilfe vom Spifall Meter fuer Meter an Bord gezogen und nach gut einer Stunde an Deck verzurrt. “Happy Birthday” sag ich nur.

Wir hatten ja gut 800 Meilen bis nach Tahiti zu segeln und mitten auf unserer Route lagen die Tuamotus. Jene traumhaften schoenen Atolle, die jeder Suedseesegler unbedingt gesehen haben will. Pustekuchen! Kein Anker keine Atolle. Mehr Bauchschmerzen bereitete mir eher die Tatsache, dass wir im Fall von technischen Problemen oder Unwettern in den Tuamotus keinen Schutz suchen konnten. Ein nicht zu unterschaetzender Sicherheitsaspekt. Die Ueberfahrt verlief aber problemlos und es gab nur die ueblichen Herausforderungen wie z.B. kraeftige Squalls, gerissene Keilriemen am Generator, jede Menge Reparaturen und Fische an der Angel, die erst einmal 300m Schnur von der Rolle ziehen, bevor man sie dann mit viel Geduld an Bord zu Filets verarbeiten kann. Das geschieht mittlerweile alles unaufgeregt und routiniert. Bordroutine eines Langfahrtsegers eben. Nach mehr als 3 Jahren auf dem Wasser bin sogar ich ruhig und entspannter geworden. Bisher haben wir ja schliesslich alle grossen und kleinen Herausforderungen technischer Art gut gemeistert.
Jetzt sprechen wir zur Abwechslung einmal ueber die schwierigeren Aufgaben, die im wesentlichen in der mentalen Haltung zu dem “Gesamtkunstwerk” Weltumsegelung liegen. Je nach Typ und Mentalitaet des Einzelnen. In dem Fall zunaechst einmal die Beschaffung einer passenden neuen Ankerwinsch in Papeete. Mein lieber Freund Elias aus Boston/USA hatte mir in Zusammenarbeit mit LEWMAR eine neue Ankerwinsch beschafft. Ueber Kurzwelle haben wir miteinander schon auf See kommuniziert. Meine Winsch wird aber nicht mehr produziert und somit musste eine Loesung gefunden werden, die sich moeglichst ohne Probleme an die schiffseitig vorhandenen Gegebenheiten anpassen lassen wuerde, ohne z.B. komplett neue Bohrungen und Adapterplatten anfertigen zu muessen. Im letzten Moment bevor das Teil in den Flieger nach Tahiti gehen sollte, habe ich dann gemerkt, dass die Winsch fuer uns viel zu klein ist und so ueberhaupt gar nicht passend sein wuerde. Mein Nachbar am Steg hatte so ein Teil an Bord seiner Halberg Rassy 35 und ich war geschockt, was fuer ein Spielzeug das war. Gott sei Dank noch rechtzeitig wenn auch leider sehr stressig fuer Elias, der sehr viel Aufwand betrieben hatte . Allein die Fracht “one way” haette schon 1500 USD gekostet und 10 Tage gedauert. 10 Tage, die wir absolut nicht hatten, da wir ja Ende Juni in Fidji sein muessen, um die Flotte der World ARC dort wieder zu treffen. Von unterwegs aus hatten wir keine Chance die Spezifikationen zu ueberpruefen, da man ueber Kurzwelle und Sailmail keine PDF`s verschicken kann.

2 Tage spaeter hatten wir in einer der besten Chandleries “OCEAN 200”, die ich jemals gesehen habe, tatsaechlich eine passende Winsch gefunden. Normalerweise ein Ding der Unmoeglichkeit, so ein Teil zu finden, wo die Kette zur Kettennuss und auch alles andere zu unserem Schiff passt. Glueck muss man haben. Womit ich nicht gerechnet habe, waren die grossen Schwierigkeiten, die alte Winsch zu demontieren. Ca. 45 KG Edelstahl, dass nach 20 Jahren Salzwassereinfluss zu einem einzigen Klumpen “Eisen” mutiert war, das sich nur aeusserst ungern zerlegen lassen wollte. Davon waren viele Teile wie Motor und Getriebe im Liegen zu zerlegen. In dem engen Ankerkabinett im Vorschiff herrschten bei 37 Grad Aussentemperatur und Sonne auf den Rumpf unglaublich Bedingungen. Drei volle Tage hat die Prozedur gedauert und es wurde viel rohe Gewalt an unschuldigen Teilen angewendet : Die harten und unzaehligen Hammerschlaege auf die WInsch droehnen uns und den Nachbarn heute noch in den Ohren 🙂

Nach 5 Tagen war es dann geschafft. Die neue Winsch war auch elektrisch angeschlossen und lief gleich beim ersten Testlauf einwandfrei. Hurray, hurray. Schnell noch den Generator repariert, Segellatten getauscht und Segel repariert und alles wieder in den Schapps verstauen. Meine Pfoten sahen aus als haette ich drei Motoren zerlegt. Dazu ueberall a Koerper hunderte von stechenden Glasfiberspitzen in der Haut, die sich beim Arbeiten im Ankerkasten durch Hose und T-Shirt gebohrt hatten. Macht Spass, wenn man nichts mehr anziehen mag wie es ueberall sticht. Hinzu kam dann noch, dass Emma durch eine Art Grippe ausser Gefecht gesetzt war und mit ihren eigenen Problemen zu kaempfen hatte. Da faellt dann auch die Freude ueber den Erfolg der Reparaturen mehr oder weniger gedaempft aus. Es war ja nicht das erstem mal, dass ein Mammutprogramm dieser Art zu bewaeltigen war. Irgendwann wird man dann auch muede und frustriert. Ich hatte sogar vor dem Einlaufen in Papeete ein Schild “For sale” an den Bugkorb gehaengt. Am fuenften Tag habe ich es aber wieder abgenommen. Erstens liebe ich meine CESARINA, zweitens gebe ich nicht auf und drittens habe ich kein anderes Zuhause als mein Schiff und einen Teil einer Garage mit meinen letzten Klamotten. Es koennte auch schlechter sein . : “Welcome in Boaters World” sagen unsere amerikanischen Freunde dazu.

Am letzten Abend aber hatte Emma etwas Tolles fuer uns organisiert. Sie spendierte uns im Intercontinental Tahiti Resort einen Tisch beim “La Soiree Marquisienne”. Das Buffet war wirklich weltklasse und die Show der Marqueser Eingeborenen war genial. Wir hatten ja schon zuvor von anderen Seglern und Freunden davon gehoert. Vor dem Hintergrund, dass die letzten Menschen in den 1997 verspeist worden sind, war es gleich noch einmal eine andere Nummer : Mir waren die Jungs jedenfalls ausserordentlich sympatisch. Keine halben Sachen eben 🙂

Einige anderes zu Frech Polynesia ist vielleicht noch erwaehnenswert. Zum Beispiel, was das Preisgefuege hier betrifft. Die Lebenshaltungskosten sind hier extrem hoch. Man kann damit rechnen, dass die Preise hier 2-4x oder auch mehr so hoch sind wie in Europa. In den Supermaerkten bekommt man zwar fast alles, aber die Rechnung hat das Potential einen korrekt von den Socken hauen. Alles muss von Uebersee importiert werden und wird dazu noch hoch besteuert. Die Geschaefte auf Tahiti sind fest in chinesischer Hand und die Regierung in französischer. Die Menschen sind sanft, ehrlich und freundlich. Gewalt oder Agression haben wir zu keiner Zeit gesehen oder gespuert. Eine ganz andere Welt und wenn man die Nachrichten aus Europa so hoert, dann kann man die Menschen hier als als glueckliche Menschen bezeichnen. Die Natur ist grandios und das Klima sehr angenehm.
Heute geht es weiter nach Bora-Bora, einem der schoensten Plaetze in der Suedsee. Gott sei Dank haben wir heute Morgen in der Taina Marina die Dieseltanks noch einmal voll gemacht. Wind gibt es naemlich heute nicht. Dafuer sind es nur 140 Meilen zu fahren. Allerdings lohnt es sich denn wir werden Thorsten und Hille von der INFINITY treffen, mit denen wir in 2014 zusammen aus der Ostsee abgefahren sind. Wie cool ist das denn? Freue mich jedenfalls schon riesig auf unser Wiedersehen. Danach werden wir uns dann schon von French Polynesia verabschieden und uns auf die lange Reise nach Nui machen. Mal wieder 1250 Semeilen und noch einmal 550 weitere bis nach Muscet Cove/Fidji, wo wir die World ARC Flotte dann treffen. Gemeinsam wird es dann weiter bis nach Darwin/Australien gehen. Am 31. August kommt dann Michael aus Hamburg an Bord, mit dem ich dann gemeinsam CESARINA ueber Indonesien, Suedafrika, Brasilien, St. Lucia, Bermudas, Azoren bis nach Kiel zurueck segeln und dort die Weltumsegelung vollenden und beenden. Michael ist ein leidenschaftlicher Segler der “alten Schule” und mit ihm will ich die riesigen Entfernungen und die Ozeane bewaeltigen. Soweit der Plan, denn wenn ich eines auf dieser Tour gelernt habe dann das: “man plans, god laughs”. Eines ist aber jetzt schon ganz sicher. Fuer meine Person kann ich sagen, dass ich als ein “anderer” zurueck komme werde. In meinem Fall ist das sicherlich positiv zu bewerten 🙂

Es tut mir leid, dass es keine Bilder zu den Blogs zur Zeit gibt. Der Grund ist einzig und allein, dass es nur sehr eingeschraenktes WLAN gibt. Dabei habe ich tausende Bilder auf den drei Festplatten gespeichert, die ich nur allzu gern zeigen wuerde. Das werden wir dann dann eben spaeter nachholen. Versprochen! Da ist es auf Facebook wesentlich einfacher und wir stellen dort auch fleissig aktuelle Bilder ein.

2 thoughts on “Tahiti oder eine hammerharte Woche fuer unsere Ankerwinsch

  • June 3, 2017 at 4:03 pm
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    Hallo Dietmar na da sind die alten Schrauberzeiten an den Motorräder ja als ganz gute Schule nütze gewesen .Ich hoffe daws an sonsten alles OK ist Gruß Ulf.

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  • June 4, 2017 at 12:02 pm
    Permalink

    Glückwunsch Dietmar

    Schön, dass das mit der Reparatur denn doch noch geklappt hat.
    So kann ich mich mit Uwe auf Deine Bilder später in Kiel freuen.

    Good Luck

    Dirk vom F-Steg aus der Sonwik in Flensburg

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