Tulpen aus Amsterdam und eine endlose ToDo Liste…..

Oh man wie das draußen pfeift…! CESARINA scheint es nicht viel auszumachen, dass es hier in Amsterdam gerade wie aus Eimern schüttet und dazu ein strammer Westwind, sie vom Ponton der „Amsterdam Marina“ wegschiebt. Was für eine wundervolle Gelegenheit, sich wieder einmal hinzusetzen und einen Blog über die Ereignisse der letzten Monate zu schreiben. Nun denn….

Scheinbar war ich wieder einmal wieder zu optimistisch anzunehmen, dass die Arbeiten im Winterlager an CESARINA sich nicht allzu aufwändig gestalten würden. „Abra kadabra, dreimal schwarzer Kater“  sag ich nur! Mein Freund Werner von der Kanareninsel „La Palma“ würde an dieser Stelle nur lapidar sagen „Am Arsch die Räuber!“ …😊 Will sagen, dass die To-Do-Liste mal wieder (entgegen aller Vorsätze) auf über zwei Seiten mit vielen Positionen angewachsen ist.

Eine kleine Heerschar von Riggern, Segelmachern Technikern, Lackierern, Bootsbauern und angehenden Bootsbauern, hat sich gute 6 Wochen lang über CESARINA hergemacht. Die Mitarbeiter der Traditionswerft „Yachtservice Dick“ haben sich erfolgreich kräftig ins Zeug gelegt, um mein Mädchen nach der Wunschliste Ihres Eigners wieder in einen adäquaten Zustand zu versetzen. Da mir der Chef der Truppe, Herr Brandhorst, erlaubt hat, bei den Arbeiten am Schiff an Bord zu sein und selber mit Hand anzulegen, konnte ich viele Dinge und Abläufe mit beeinflussen. Das war für meine Handwerkerseele fast schon paradiesisch 🙂

Um einen Eindruck über den Umfang der erledigten Arbeiten zu vermitteln, führe ich nachfolgend die wichtigsten einmal auf: Rumpf gründlich aufpolieren, Kratzer und Fehlstellen nachlackieren (eine Kunst bei AWL Grib Lack), Setzbord aus Teak komplett entlacken und feinst schleifen (4 Mitarbeiter, 6 Tage), gebrochene Sektion im Setzbord teilweise erneuern und instand setzen, Cockpitsüll entlacken und feinst schleifen, neue Fenster einsetzen, Wellenanlage und Propeller überholen, Unterwasserschiff überholen plus Antifouling, Riss im Mast schweissen, Korrosion an den Masten und Bäumen entfernen, blanke Stellen 8-fach versiegeln und lackieren, Rollanlagen zerlegen und instand setzen, Seewasserfiltereinheit erneuern, Hydraulikleitung für Achterstag erneuern, Fallen teilw. erneuern, alle Beschläge der Skylights neu verchromen, Polstergarnitur im Salon neu anfertigen, Ledersessel Navigationsecke neu beziehen, neuen Plotter installieren, Schläuche für Kühlkreislauf Hauptmaschine erneuern plus Service, Service Generator und Generalüberholung von Fisher Panda vorbereiten, Seeventile zugänglich und gangbar machen, neue Genua anfertigen, Bilgenpumpe instand setzen, Abwasserpumpe erneuern, Segelgarnitur überholen lassen, neue Genua ..etc. pp.

Das Ergebnis konnte sich dann am Ende auch wirklich sehen lassen. Am Freitag vor 3 Wochen war dann Krantermin und alle Systeme funktionierten einwandfrei. Gute Arbeit Herr Brandhorst und Mannschaft.

Der Törn nach Amsterdam wurde wie immer akribisch und „Yachtmaster gerecht“ geplant, vorbereitet und ohne Probleme umgesetzt. Es war herrlich wieder auf See zu sein 😊 Ganz besonders möchte ich an dieser Stelle für die große Unterstützung meines lieben Freundes Franjo bedanken. Mit Franjo bin ich schon einmal 2018 zu einem “kleinen” Abendteuer gestartet. Wir haben CESARINA zusammen von Kapstadt nach England gesegelt. Die Tatsache, dass wir uns immer noch bestens verstehen, sagt eh schon mehr als 1000 Worte. Seit dem sind wir irgendwie mehr oder weniger fast schon unzertrennlich. Diesmal hatte er mir unter anderem sein Auto für die Fahrt von Münster nach Kiel für 10 Tage zur Verfügung gestellt und ist dann später mit dem Zug 400km nach Kiel gekommen, um mit mir CESARINA nach Amsterdam zu überführen. Vor unserem Törn hat er den Wagen dann noch nach Hamburg zu einem Bekannten gebracht, der das Fahrzeug wieder zurück zu seinem Haus nach Münster gefahren hat. All das, damit ich wegen dem Auto nicht später noch mal nach Kiel zurück kommen musste.  Mehr geht nicht! Alles, um mir den Rücken freizuhalten! Solche Perlen wie er sind sehr selten und ich bin sehr froh, einen solchen Freund an meiner Seite zu haben 😊

Wenn es nach meinen Plänen gegangen wäre, würde CESARINA wahrscheinlich jetzt irgendwo auf den Azoren oder in Portugal liegen. Wie gut, dass der Plan „keinen Plan zu haben“ war und ist. C19 hat ja schließlich nicht nur mir allein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Zeit des harten Lockdowns haben Emma und ich in England verbracht. Über die emotionale Achterbahnfahrten mit Überschlag in dieser Zeit voller Angst und Unsicherheiten, könnte wohl jeder von uns ein paar Zeilen beisteuern. Neben zahlreichen schwierigen Momenten, gab es aber auch Positives zu berichten. Ich habe die Zeit genutzt, um meinen müden Knochen auf die Sprünge zu helfen. Okay, es war nicht ganz freiwillig. Bei einem Arztbesuch im März wurde bei mir ein außerordentlich hoher Cholesterienwert festgestellt. So hoch, dass mein englischer Hausarzt sichtlich und unmissverständlich sehr besorgt war. Ich meine sehr besorgt. Das war ich dann auch als ich verstanden habe, dass ich ein riesen Glück hatte , noch keinen Schlaganfall erlitten zu haben. Die Resultat daraus war, dass es keine Alternative mehr zu einer 180 Grad Wende in Sachen Ernährung und Bewegung gab.

Ich investierte also etwas Zeit und Geld und lernte bei meiner Ernährungsberaterin Emily Dawson aus Margate, wie man richtig einkauft, wie man seine Essenpläne erstellt, Mahlzeiten zubereitet und überhaupt vermittelte sie mir ein neues Grundverständnis über die Zusammenhänge Gesundheit, Bewegung und Ernährung. Glaubt mir, wenn man das einmal wirklich verstanden hat, gruselt es einen wenn man sieht, was sich viele Menschen in den Einkaufswagen legen und wundert sich nur noch, was der menschliche Körper alles an “Schei..e” ertragen kann. Bis zu dem Punkt, an dem er irgendwann dann aufgibt. Zusätzlich zum Fitnessprogramm, dass ich schon im Oktober 2019 gestartet hatte, ging es ab jetzt zusätzlich auch in Sachen Gewicht und BMI in die richtige Richtung. Das Resultat: 16 Kilo weniger Fett, ein Cholesterienwert im grünen Bereich und das neue Trainingsziel „Halbmarathon“ im Visier. Vor 3 Wochen erst, bin ich das erste mal eine Distanz von über 10km gelaufen. Ohne Pause und mit weiteren Reserven an Puste. Das einzige Limit sind die Gelenke und Bänder, bei denen man gewaltig aufpassen muss, diese nicht zu sehr zu strapazieren. Das Wort „Zigarette“ ist seit September 2019 für mich auch nicht mehr existent. Mein Gott, was habe ich mir früher bloß angetan?? Wünsche jedem, der ähnliches Erreichen will oder muss, die gleiche Kraft und Ausdauer seinem Leben einen neue Richtung zu geben. Es lohnt sich absolut und es ist nie zu spät!

Amsterdam ist eine tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten, den Tag auf angenehmste Art und Weise zu verbringen. Museen, Bootsausrüster, Geschäfte, Kultur, Architektur, Bootsfahrten durch die Grachten etc. pp. Meine liebe Frau Emma hat in England gerade viel Arbeit und kann leider im Moment nicht bei mir sein. Sie hat erst vor 3 Wochen ihre neue Kollektion „Bristish Salt“ vorgestellt und konnte von den 15 ausgestellten und wunderschönen Werke in Öl, bereits 11 an Sammler in England, Deutschland, Niederlande, USA und Südafrika verkaufen. Ich habe keine Ahnung, woher Emma die ganze Inspiration, Kraft und Ihr großes Talent hernimmt. Ich weiß nur, dass ich sehr stolz auf meine Frau bin und sie liebend gern bei mir hätte.

Wie gesagt, das Leben ist bunt und wir werden sehen, was in den kommenden Monaten so alles passieren wird. Ich werde mich bis dahin mal daran machen, die To-Do-Liste weiter abzuarbeiten…  

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.