Capetown – Zeit für einen neuen Kurs

Irgendwie werden die Lücken über CESARINAS Reiseverlauf immer größer. Den letzten Blog habe ich über Mauritius geschrieben. Nichts davon ahnend, was für Abenteuer noch vor uns liegen würden. Die Fülle der Ereignisse ist ganz einfach gesagt so riesig groß, dass man schon einen extra Schreiberling an Bord benötigen würde, um zumindest so einigermaßen auf Stand zu bleiben. Da ich aber seitdem Emma in Indonesien von Bord gegangen ist, fast vollständig allein für Instandhaltung, Wetterrouting, Technik, Planung, Organisation, Schiffsführung verantwortlich und zuständig war, fehlten mir einfach jegliche Ressourcen zum Blog schreiben. Die Aufgaben und leider auch z.T. die “Möglichkeiten” meines Segelkameraden beschränkten sich lediglich auf die Pantry und Wache gehen. Die Bordküche lies dafür aber nichts zu wünschen übrig. Geplant war das allerdings mal ganz anders….

Doch ehrlich gesagt, hatte ich ganz andere Themen auf dem Tisch; der Törn über den Indischen Ozean und zum Abschluss dann die berüchtigte ostafrikanische Küste mit dem stark nach Süden setzenden Agulhas Strom, den extrem kurzen Wetterfenstern und dann noch zur Krönung das Runden des berüchtigtem “Kap der Guten Hoffnung”. In der Landessprache wird es auch das Kap der Stürme genannt, das bereits schon über 2000 im Sturm gesunkenen Schiffen schon zum Verhängnis geworden ist. Seglerisch und navigatorisch ein doch ziemlich anspruchsvolles Revier. Die meisten Wracks stammen aus den Tagen, wo es noch keine Wettervorhersagen gab. Fast alle sind bei fürchterlichen Stürmen aus Süd-West gesunken.

Auf dem Weg von La Reunion nach Richards Bay/Südafrika mussten wir gleich zweimal Schutz von den, wie auf einer Perlenkette aufgereiht durchziehenden Tiefdruckgebieten, suchen und finden. Die ARC Flotte war ja schon lange weg und wir wieder einmal ganz auf uns allein gestellt. In unserer Nähe segelte die englische Yacht “Tin Tin” mit Mark und Paul, die Emma und ich auf unserer Trauminsel “Niue” im Pazifik schon kennengelernt hatten. Um ehrlich zu sein war ich sehr froh, dass wir nicht ganz allein unterwegs waren, weil ich die Hosen manchmal auch so schon bei den vielen Tiefdruckgebieten gestrichen voll hatte. 🙂 Erst recht weil unser SSB Radio die so dringend notwendigen Wetterdaten nicht liefern konnte. Ich konnte keinen Funkkontakt zur Station in Afrika herstellen. Somit waren wir auf die Wetterinfos per UKW-Funk von Tin Tin angewiesen, die Paul per “Iridium GO” über Satellit 4x täglich aktualisierte. Die ganzen Umstände haben meine innere Nervosität noch um ein Vielfaches gesteigert und in jeglicher Hinsicht sehr viel Kraft gekostet. Hier ohne aktuelle Wetterinfos unterwegs zu sein, ist wie im dichten Nebel schnell über eine Landstraße bei Nacht zu fahren.

Auf halber Strecke nach Madagaskar war deutlich zu erkennen, dass ein in Süd-West befindliches und schnell nach Nord-Ost ziehendes Tief direkt auf unserer Route lag. Nachdem der Wind auch entsprechend stark zugelegt hatte und CESARINA unter bereits gerefften Sturmsegeln kräftig Wasser übers Deck bekam, erinnerte ich mich an Pieters Worte. Pieter ist CESARINAS vorheriger Eigner. Er gab mir den Rat das Schiff beizudrehen, die Türen zu schließen und sich einen Film anzusehen. Gesagt getan. So trieben wir 20 Stunden quer zu Wind und Wellen mit festgelaschtem Steuerrad unter Besan und Fock, führerlos im Ozean und sahen im Salon “Wallstreet” mit Michael Douglas. Es war so surreal und CESARINA war unglaublich großartig. Was für ein tolles Schiff 🙂 Nach dem Durchgang der Front mit einer 160° Winddrehung segelten wir am nächsten Tag weiter nach Madagaskar.

In der Bucht von “Fort Dauphin” im Süd-Osten von Madagaskar warfen wir dann entgegen aller Warnungen den Anker, um 2 Tage Schutz vor dem nächsten anrollenden Tiefdruckgebiet zu finden. Warnung deshalb, weil es dort laut dem “Auswärtigen Amt” Lungenpest und Cholera-Fälle gibt. Im Internet recherchierten wir, dass diese Krankheiten durch nur den direkten Kontakt oder Tröpfchen übertragen wird. Da mir nach diesem Schei.. Ozean sowieso alles schon relativ egal war, packte mich die Abenteuerlust und wir fuhren zusammen mit Paul und Mark von Tin Tin mit deren Dinghy an Land. Schon im Hafen wurden wir von freundlich aussehenden Menschen förmlich umringt, die wohl schon länger keinen Besuch mehr von Yachten bekommen hatten. In dem Bewusstsein der gesundheitlichen Gefahren und der Tatsache, dass wir uns völlig illegal weil nicht angemeldet an Land gingen, verstärkte den Thrill ungemein. Es kam auch sofort ein großer Geländewagen mit einer fünfköpfigen Familie auf uns zu und stoppte. Der Fahrer, dieser Zeit in seiner zivilen Funktion als Familienvater unterwegs (es war Sonntag Vormittag), stellte sich als Chief der Immigration vor und fragte uns nach unseren Papieren und Visas. Nichts davon hatten wir vorzuweisen. Shit! Vor uns der Officer und um uns herum die ganzen Leute. Nach einigem hin und her zeigte der gute Mann Verständnis für unsere Situation und bat uns, doch bitte keinen Unsinn auf seiner Insel anzustellen weil er sonst neben viel Papierkram auch noch Probleme mit seinen Chefs bekommen würde. Das hatten wir natürlich nicht auf dem Plan. Wir sollten doch aber bitte bei ihm vorbei kommen, falls wir wegen dem Wetter länger als geplant bleiben müssten. Klasse, das nennt man einen kurzen Dienstweg und ist beispielhaft für eine Inselwelt 🙂 Pest und Cholera gibt es dort übrigens aktuell wirklich. Wenn man die hygienischen Verhältnisse dort sieht, wird einem auch klar warum. Allerdings sind diese Fälle in einem nördlichen Distrikt der Insel konzentriert und angeblich auch unter Kontrolle.

Unser 4 stündiger Gang über die Insel war eines der eindrucksvollsten Ereignisse meiner gesamten Reise. Freundliche Menschen, große Armut, wunderschöne Natur und scheinbar so völlig vergessen oder besser gesagt “ignoriert” von dem Rest der westlichen Welt. Es bestehen keinerlei oder nur sehr geringe wirtschaftliche Interessen der westlichen Staaten, diese herrliche Insel zu entwickeln. Dazu sind die Menschen mit alljährlichen, alles zerstörenden Wirbelstürmen bestraft. Wie soll man denn so etwas aufbauen? Der Ausflug endete in einem Cafe. Dort trafen wir ein paar südafrikanische Metallhüttenarbeiter auf Montage. Mit dem Chief der Truppe hatte ich ein besonderes Erlebnis. Er war ein Fan der deutschen Band “Unheilig” (Geboren um zu leben). Unglaublich oder? Er kannte sogar die Texte und ich hatte wieder einen neuen Freund. Weshalb liebe ich diese Art zu Reisen nur so sehr? 🙂

Am nächsten morgen habe ich dann die Jungs, die in ihren aus Baumstämmen geschnitzten Kanus am Fischen waren, etwas beglücken können. Alles was ich an Bord finden und sinnvollerweise entbehren konnte, fand seinen Weg über unsere Reling in die Kanus der Inselbewohner. So gingen über 2000m Angelleine, Haken, eine komplette Rute mit Rolle, ein Stapel T-Shirts und Hosen, diverse Werkzeuge, mein geliebter benzingetriebener Tauchkompressor inklusive aller Ersatzteile und noch vieles mehr von Bord. CESARINA war danach um etliche Kilos leichter und ich hatte das Gefühl, den Menschen dort ein wenig geholfen zu haben. Scheinbar hatten sich die Jungs auch gefreut, denn zum Dank warfen sie uns ein paar frisch gefangene Fische an Deck. Sie konnten ja nicht sehen, dass ich diese auf der anderen Seite sofort wieder ins Wasser gesetzt habe 🙂 Ich kann Madagaskar jedenfalls wärmstens empfehlen und würde immer wieder dort hin fahren.

Zwei Tage später ging es dann auch weiter. Die Wetterprognosen waren nicht gerade ideal. Starkwind und neue Tiefdruckgebiete lauerten schon auf uns. Auf dem Indischen Ozean ist das Alltag und scheinbar nicht zu vermeiden. Das Problem ist ja auch nicht der Wind sondern die konfusen, steilen und kurzen Wellen, die Schiff und Crew das Leben schwer machen. Meine größte Sorge ist und war immer der Autopilot. Die Belastung der Mechanik ist teilweise immens hoch. Jede Kreuzsee, die das Schiff aus dem Kurs wirft, fordert den Autopiloten auf ein neues. Sollte irgendetwas im Antrieb kaputt gehen würde das bedeuten, 24 Stunden von Hand steuern zu müssen. Bei einem 25 Tonnen Schiff geht das mächtig auf die Kondition. Wenn ich in der Koje liege, höre ich den Autopiloten “Roos” direkt neben mir arbeiten und leide innerlich mit. Zumal sich der Ersatzpilot in England zur Reparatur befand.

Das gefährliche an der afrikanischen Ostküste ist, dass bei Südwind der Wind gegen den bis auf 100 Seemeilen vor der Küste stark nach Süden setzenden Agulhasstrom steht und sogenannte “stehende” Wellen erzeugt. Diese Wellen sind deshalb so gefährlich weil sie sehr steil und hoch sind, und zwar auf beiden Seiten. Die Form gleicht dem eines Sägezahnes. Je nach Höhe können diese sogar große Frachter in der Mitte zerbrechen weil die etliche tausend Tonnen schweren und langen Schiffe nur punktuell von einer steilen Welle angehoben werden. Es wurden schon Wellen von bis zu 20 Meter Höhe gemessen. Bei Sturm aus Süd bleiben also auch die großen Schiffe vor der 100 Meilen Zone draußen und warten auf bessere Bedingungen.

Wir haben es aber am Ende sehr gut hinbekommen und sind bei einem passenden Wetterfenster in Richards Bay eingelaufen. Kurz vor dem Ziel hatte der Wind noch einmal auf 35 bis 45 Knoten zugelegt. Es war teilweise beängstigend zu sehen, in welch kurzer Zeit die Wellen an Höhe zulegen. Alle Yachten der ARC Flotte haben ähnliche Erfahrungen gemacht und waren ebenfalls froh, es bis hierhin geschafft zu haben. Über die Hälfte der Flotte war bereits schon wieder unterwegs zur nächsten Bucht . Fünf Schiffe waren noch da und hießen uns herzlich willkommen. Meine Fresse nochmal, war das eine harte Nummer. Ich fühlte mich so erledigt und müde, dass ich auch nach 2 Tagen in der Marina immer noch nicht wieder klar im Schädel war.



Die Zeit in Richards Bay war angenehm und gespickt mit allerhand Abenteuern, netten Bekanntschaften und Ausflügen in die naheliegenden Safariparks. Vor einigen Jahren waren Katja und ich für einige Wochen in Südafrika und somit wusste ich schon, was mich dort erwartete. Trotzdem war es sehr schön und spannend zugleich. Der Schiffsausrüster in der Marina mit einer großartigen Auswahl an Dingen, hat das Skipperherz (also meines zumindest, obwohl es ja bekanntlich aus Stein gemacht ist :-)) bei den alltäglichen Einkaufstouren höherschlagen lassen.

Eine Sorge blieb aber. Wir mussten ein passendes Wetterfenster für unseren nächsten Törn nach Kapstadt finden. Eine tolle Unterstützung war dabei die Törnberatung von WETTERWELT.de. Herr Wache war der zuständige Meteorologe und schickte uns täglich neue Vorschläge, für eine sichere und optimale Überfahrt. Ebenso standen wir mit dem lokalen Wetter-Spezialisten Nell in Kontakt(“Nell Cason” ) , der seit Jahren die Seglergemeinschaft hervorragend berät und ausdrücklich vor gefährlichen Alleingängen warnt. Das mulmige Gefühl wollte aber einfach nicht weichen……

Nach einigen Tagen war es dann soweit. Abfahrtstermin und Route stand. Zusammen mit der SY SOLO und SY ZEELAND legten wir gegen kurz nach Niedrigwasser ab und segelten zunächst nach East London, wo wir in einem Fluss für 3 Tage gemeinsam ankerten. In East London produziert Mercedes seit vielen Jahren PKW`s und ist dort ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor. Habe es sogar gewagt, in einem deutschen Restaurant eine Weißwurst zu bestellen. Es gibt dort einige Ingenieure aus Süddeutschland und dementsprechend auch derartige Spezialitäten. Habe auf meinen Reisen wirklich nicht viel kulinarisches Kulturgut vermisst. Außer Weißwurst! Umgehauen hat es mich aber in diesem Fall nicht muss ich gestehen, obwohl die Küche sonst einen sehr guten Eindruck gemacht hat.

Danach ging es dann zur Mossel Bay, die ja schon sehr weit südlich liegt und der letzte Stopp vor dem Kap sein sollte. Dieser Stopp hatte es aber in sich. Wir sind dort sehr früh am Morgen bei tiefster Dunkelheit angekommen. Es war bekannt, dass in dem Ankerfeld Moorings an Bojen ausgelegt waren. Allerdings waren diese bei Dunkelheit nicht zu erkennen. Eines der schlimmsten Szenarien war, dass sich eine solche Leine um den Propeller wickeln oder im Ruder verfangen könnte. Bei dem Seegang wäre das eine ernsthafte Gefahr denn ohne Maschine und Ruder wären wir wohl an Land getrieben oder hätten sonstige Schäden am Schiff zu befürchten. Wir und ZEELAND hatten Glück. SOLO hatte Glück im Unglück weil eine Mooring “nur” den Schleppgenerator an einer Mooring abgerissen hatte. In den Hafen fahren wollten wir nicht weil bei dem zu erwartenden Südost-Wind, der Hafen offen ist und die Wellen ungehindert einlaufen. Das gleiche galt auch für die Bucht, in der wir vor Anker lagen. Also eigentlich suboptimal bei den zu erwartenden Starkwinden aus dieser Richtung. Auf See sollte es aber noch wesentlich heftiger Wehen und unter diesen Bedingungen das “Kap Agulhas” zu runden, wäre grob fahrlässig gewesen.

Die Nacht auf See war lang und so wir legten uns daher in die Kojen zum Schlafen. Ankeralarm und Funkgerät waren aber aktiviert. Gegen Mittag meldete sich der bei uns Hafenmeister per Funk. “Wir müssen Euch dringend bitten in die Marina zu kommen” waren seine ersten Worte. Der Wind sollte bis morgen auf sturmstärke zunehmen und die Wellen dementsprechend auch zulegen. Das Problem war nur, dass die Steganlagen in der Marina nur Schiffe bis 15 Meter aufnehmen können. Alternativ hätte das für SOLO und uns bedeutet, uns an die Hafenmauer zu legen. Da stehen aber Wind und Welle voll drauf und unsere Schiffe hätten sich garantiert bleibende Schäden geholt. Also blieben SOLO und wir vor Anker während die kleinere ZEELAND in die Marina verholte. Ich merkte, dass meine Hände vor Anspannung anfingen zu zittern.

Dann kam das nächste Schockerlebnis. Ich kam eine Stunde später ins Cockpit, um nach dem rechten zu sehen. Ich konnte kaum glauben, was ich dort gesehen habe. Nur 10 Meter hinter unserem Heck trieb eine Segelyacht aus Kapstadt, die eben noch neben uns vor Anker lag, mit gerissener Ankerkette in Richtung Strand vorbei. Mein Kamerad, der das ganze schon länger beobachtet hatte, machte aus welchem Grund auch immer keinerlei Anstalten die Crew, die unter Deck war, irgendwie zu warnen. Meine Rufe halfen leider auch nicht mehr. Die Yacht trieb schnell vorbei und erst als der Kiel auf dem Grund aufsetzte, das Schiff sich auf die Seite legte und die ersten Wellen über das Deck gingen, erschien das ältere Ehepaar an Deck. Leider zu spät, denn ihr Schiff wurde mit jeder weiteren Welle ein Stück weiter an Land gespült. Gott sei Dank befanden sich die Felsen circa 50 Meter weiter rechts und die Yacht lag nur auf dem Strand. Nach 2 Stunden wurde die YACHT von der Küstenwache und einem Team von 4 Tauchern und 6 weiteren Profis nach einigen Anläufen wieder vom Strand gezogen und in den Hafen geschleppt. Die Mannschaft war sicherlich geschockt aber gesund. Meine Hände hörten erst nach einer Stunde auf das Zittern einzustellen.

Diese Aktion wurde in den Nachrichten als offizieller Seenotfall eingestuft. Im amtlichen Bericht wurde eine Wellenhöhe von 3-4 Metern angegeben. Genau in diesen Wellen befanden wir uns ja auch. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir ein sehr gutes Ankergeschirr an Bord hatten, das CESARINA mit ihren 25 Tonnen Gewicht über zwei Tage lang auf Position gehalten hat.

Die Rundung des “Kap Agulhas” mit seinen 2000 Wracks verlief bei Nacht ziemlich unspektakulär. Das Wetterfenster war glücklich gewählt. In dieser Nacht ist 30 Meilen entfernt von uns aber leider ein Fischerboot mit 22 Mann Besatzung auf Grund gegangen. Die Mannschaft wurde von einem russischen Frachter aufgenommen. Kann nur sagen, dass mein Bedarf am Indischen Ozean für alle Zeiten gedeckt war und ist. Wie auch immer, wir haben es geschafft Kapstadt ohne einen einzigen Kratzer zu erreichen und meine geliebte stolze Lady in der V&A Marina anzulegen. Wow, was für ein Abenteuer.

Am nächsten Tag habe ich dann von meinem Mitsegler “Good Bye” gesagt und somit war auch klar, dass CESARINA und ich aus der World ARC Rallye aussteigen werden. Ohne Reue und ohne das geringste Bedauern sollte hier für uns Schluss sein. Ich hatte einfach keinerlei Antrieb mehr, noch weitere 14.000 Seemeilen abzureißen. Nach der insgesamt gesegelten Distanz von 42000 Seemeilen also knapp 80.000 Kilometer, fühlte ich mich einfach nur noch müde und erledigt. Nach knapp 4 Jahren auf See war das auch OK für mich. Ich wollte einfach nur noch nach England zu Emma zurück und die letzten Wochen vergessen. CESARINA soll hier in Kapstadt noch eine neue Segelgarderobe erhalten und alle Holzoberflächen sollen neu lackiert werden, bevor ich sie auf einen Frachter zurück nach Deutschland stellen würde. Das war ich meinem treuen Schatz einfach schuldig.

Nur zwei Tage nach meinem Rückflug nach England musste ich vor Weihnachten noch einmal nach Deutschland, weil Katja und ich einen Termin beim Amtsgericht hatten. Nach knapp 19 Jahren war es definitiv nicht der beste Tag in unserem Leben.

Ein neues Jahr und hoffentlich auch ein neues Glück. Nach langem hin und her wurden die Karten neu gemischt. Im April geht es nun doch zurück aufs Meer. Ich werde CESARINA mit neuer Crew auf eigenem Kiel zurück nach Kiel segeln. Bis zu den Kapverden oder vielleicht sogar Azoren, segelt mein Freund Franjo mit. Das letzte Stück wird ein Profi mit an Bord sein. Für weitere 3-4 Monate und ca. 8500 Seemeilen Strecke wird meine CESARINA mein Zuhause sein. Ist ja auch nicht das Schlechteste 🙂

12 thoughts on “Capetown – Zeit für einen neuen Kurs

  • January 18, 2018 at 3:55 pm
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    Lieber Dietmar, was für eine Beschreibung! Spannender als ein Krimi, aufreibend!
    Wie musste es Dir dann ergangen sein in der Realität u. Gefühlswelt? Das alles kommt
    Sehr gut heraus. Danke, daß Du uns weiterhin an Deinem intensiven BordLeben teilhaben ließest, bis zum Rückflug. Nun meine persönlichen Fragen, weshalb mußte Emma zurück? Wo hat sie ihr perfektes Deutsch gelernt? Liebe Grüße speziell an Emma. An Dich natürlich auch, mit besten Wünschen für alle erdenklichen segeltörns
    Mit guten Winden u. Ankünften. LG Ralf u. Nana

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    • January 18, 2018 at 4:45 pm
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      Hallo Nana,
      na das ist ja mal ein Kompliment! Danke Dir. Dachte immer, ich schreibe nur für mich allein, wie es mir persönlich so ergeht weil es eh keine Socke interessiert. Seit einem Jahr steht bei mir ja kein Stein mehr auf dem anderen 🙂 Emma spricht 4 Fremdsprachen. Französisch sogar Akzentfrei. Sie hat deutsche und französische Literatur in Oxford studiert. Ja, sie ist ein schlaues Mädchen 🙂 Zurück musste Sie, weil sie im Familienunternehmen (Carehomes) eine wichtige Rolle spielt.
      Liebe Grüße an Euch beide aus dem superkalten England,
      Dietmar

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  • January 19, 2018 at 4:52 pm
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    Interessant zu Lesen lieber Dietmar, zumal Kira mit mir da vor 3 Jahren auch unterwegs war.
    Allerdings sind wir von Norden gekommen, Seychelles, und sind direkt durch gesegelt bis Cape Town. 33 Tage auf See.
    In einer sehr harten Nacht bei NW wollten wir unter Land Segeln um hinter einer Inselgruppe Schutz zu suchen. Unterdes drehte der Wind wieder auf Ost und so ließen wir es einfach laufen.
    Irgendwann weckte mich der Eigner und wir berieten wie es weiter gehen sollte, da wir in Port Elizabeth einlaufen wollten. Die Wellen aus OSO waren ganz schön hoch schon und Auflandig sich der Küste nähern bei dem harten Wetter und und und, sagte ich kurz überlegend: “Weiter Laufen”!
    Und so eierten wir an Cap Franzis vorbei, an C.Aghulas vorbei und gingen auf NW Kurs, jetzt etwas moderater.
    Das passieren von Cape of Good Hope war dann nochmal was ganz besonderes.
    Morgens gegen 07:00 Uhr Zulu fiel der Anker auf Reede C.Town.

    Ich wünsche Dir Fair Winds auf der weiteren Reise, wäre gerne mit gekommen!

    L.G. Wolfgang

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  • January 20, 2018 at 9:39 am
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    Danke für diesen offenen Reisebericht, in dem auch mal ehrlich von den Ängsten berichtet wird!

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  • January 27, 2018 at 8:24 pm
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    Soviel sei gesagt,Sie schreiben nicht für Phantome sondern für Menschen,die immer noch interessiert, wie Sie ihr Leben weiter gestalten! Auch wenn ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar sind muss ich gestehen,dass mich die Beharrlichkeit in irgendeiner Weise fasziniert. Wichtig ist nur,dass Sie sich mit ihren Entscheidungen wohl fühlen. Weiterhin viel Geduld und Kraft für ihr Vorhaben und vor allem viel Spaß und Erfolg und Glück. Liebe Grüße Petra Wichmann

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    • January 29, 2018 at 11:46 am
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      Hallo Frau Wichmann, ich freue mich immer wenn ich einmal ein Feedback erhalte. Wir hatten in den letzten 4 Jahren ca. 400.000 Hits auf unsere Blogs und “nur” eine gute Handvoll Kommentare. Manchmal frage ich mich, welche Menschen da reingeschaut haben und vor allen Dingen was der eine oder andere darüber denkt. Nur eines scheint sicher zu sein; nämlich, dass es mehrere Menschen zu geben scheint, denen die Berichte gefallen und die Reise schon länger verfolgen. Deshalb freue ich mich darüber wenn auch einmal eine Rückmeldung kommt. Also, vielen Dank dafür! Ebenso für Ihre guten Wünsche und lieben Grüße. Bis bald dann mal wieder!

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  • Pingback:SV Cesarina – Dietmar Henke GER | Windpilot Blog

    • February 1, 2018 at 7:47 am
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      Lieber Peter, wie immer triffst Du den Nagel auf den Kopf 🙂 Über die ganzen Jahre schon ist es eine mir Riesenfreude Dich kennengelernt zu haben! DANKE

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  • February 1, 2018 at 8:44 pm
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    Ganz toller Bericht Dietmar, hat mir super gefallen. Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel für den letztenTeil deiner Reise .
    VG
    Chris und Isabella

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    • February 13, 2018 at 5:50 pm
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      Hallo Isabella,
      vielen Dank für Deinen netten Kommentar 🙂 Auch Dir einen ganz lieben Dank, dass Du Cesarina schon so lange folgst. Werde in ca. 2 Monaten mit Cesarina in Terceira sein. In der Marina, wo Du die schönen Bilder von ihr gemacht hast und sie mir einfach nicht aus dem Kopf gehen wollte. Niemand konnte ahnen, dass ich sie einmal um die Welt segeln würde.
      Bis bald dann in Deutschland!

      Reply
  • February 1, 2018 at 9:43 pm
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    Hi Dietmar

    Thank you so much for all the blogs about your sailing around (most of ) the world.
    Since we met you (and Katja) on Saba, I always followed your spectacular sailing trip!
    As it seems very hard work it’s good to see that Cesarina did not get any damage for all those 40.000NM.
    You took care of her very well!
    What an terrible time you must have had when you saw the sailing yacht from Cape Town drifted to shore and you can do nothing to prevent the disaster.
    Now your Swan shows her beauty in V&A Waterfront to all the visitors.

    Wish you all the best with your new challenges
    Len Swierstra Saba

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    • February 13, 2018 at 5:44 pm
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      Dear friends from beautiful SABA island, thank you very much for your kind comment! Good to know that yoùre still following my/our blogs. Saba is still one of 5 worlds best places to be and one of 3 of worlds best dive spots. The time with you will never be forgotten for both of us. In 2020 I’ll return with Cesarina to Saba and would like to invite you for a nice common dinner or boat trip.
      Take care of yourself,
      Dietmar

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