Dia de los Indianos

Santa Cruz de La Palma hat eine ganz besondere Karnevalstradition, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. „Der Karnevalsmontag ist ganz den Emigranten gewidmet, die aus Übersee in ihren weißen Anzügen als Symbol ihres neuen Reichtums in die Heimat zurückkehren. An diesem Tag bestreut man sich gegenseitig mit Talkumpuder (oder Babypuder), bis alle weiße Anzüge tragen.“ – so schrieb es unser Reiseführer 🙂

Dietmar stand der ganzen „Pudergeschichte“ von Anfang an sehr kritisch gegenüber. Als Hamburger ist seine Karnevalsleidenschaft sowieso nur sehr gering ausgeprägt, der Reinländer ist da doch deutlich mehr experimentierfreudig 🙂

Aber irgendwie gelang es mir doch, ihn so weit zu motivieren, dass wir am Montagmorgen recht früh im Auto nach Santa Cruz saßen. Beginnen würde das Spektakel mit der Ankunft eines Schiffes mit dem „Mohren“ an Bord. Die Figur „La Negra Tomasa“ wurde 1992 von Victor Lorenzo Díaz Molina, genannt Sosó, ins Leben gerufen und ist mittlerweile ein fester Bestandteil des „Día de Los Indianos“. Die Figur repräsentiert die Vermischung von Schwarz und Weiß in der kubanischen Kultur.

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Am Hafen hatte sich schon eine Menschenmenge versammelt. Schnell mussten wir feststellen, dass das Tragen der weißen Kleidung obligatorisch war. Leider waren meine Motivationskünste am Morgen doch nicht so weit erfolgreich gewesen, das wir ebenfalls kostümiert unterwegs waren. Jetzt fühlten wir uns in unseren bunten Klamotten fast wie die Tiere im Zoo, aber das ließ sich jetzt auch nicht mehr ändern 🙂

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In meiner Vorstellung erwartete ich die Ankunft des Mohren mit einem großen und imposanten Schiff, optisch angelehnt an die alten Schiffe, mit denen früher der Atlantik überquert wurde. So war ich ziemlich erstaunt, als sich etwas später ein kleines weißes Motorboot dem Hafen näherte.

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Diesem entstieg der Mohr, der eine echt tolle Schau abzog und die Menge zusammen mit den Samba-Trommlern schon mal etwas in Wallung brachte.

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So setzte sich der Zug in Richtung Innenstadt in Bewegung, in deren Gassen schon zahlreiche Pulverschlachten tobten. An jedem Straßenstand konnte man nicht nur Cocktails und Bier, sondern auch große Dosen mit Babypuder kaufen. Besonders erschreckend waren aber die Pulverkanonen, die große Mengen Pulver über den Menschenmassen verschießen konnten.

Das wurde Dietmar dann doch zu bunt oder eher zu weiß und so mussten wir den Rückzug antreten. Sauber und ohne „Pulverschäden“ erreichten wir unser Auto und suchten schnell das Weite. Auf unserem Weg quer über die Insel wurde uns aber klar, dass wir nur den Anfang des Spektakels gesehen hatten. Ein Bus nach dem Nächsten, überfüllt mit weiß gekleideten Feierwütigen, kam uns entgegen und die Westseite der Insel muss am Nachmittag doch erschreckend leer gewesen sein, denn nur Touristen und Karnevalsmuffel suchten hier Zuflucht.

Zur Vervollständigung habe ich eine paar Bilder aus dem Internet herangezogen. Vielleicht war es doch besser, dass wir verschwunden sind. Vielleicht wären wir sonst an einer Babypudervergiftung zugrunde gegangen 🙂

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