Kubanisches Werft-Drama – 2. Akt

Ziemlich frustriert vom gestrigen Tag warteten wir schon früh am nächsten Morgen auf Nachrichten von der Werft, wann wir zum Travellift kommen sollten. Aber es dauerte bis zum Nachmittag, bis endlich ein Zeitfenster für uns frei wurde.

Motiviert machten wir uns bereit für das Ablegemanöver. Der Hafenmeister half uns mit den Leinen, damit wir unser im Moment doch etwas schwierig zu manövrierendes Schiff sicher hinüber zum Travellift verholen konnten. Aber kaum hatten wir die letzte Spring gelöst, ging alles überhaupt nicht mehr nach Plan. Statt vorwärts vom Steg wegzufahren, fuhr unsere CESARINA rückwärts und wurde vom Radeffekt der Schraube immer näher an den Steg gezogen. Schnell sprang ich vom Boot, um mit dem Hafenmeister mit vereinten Kräften die Kollision mit dem nächsten Stromkasten zu verhindern. Dietmar versuchte an Bord, das Boot in die richtige Richtung zu bringen, aber seine Bemühungen blieben vergeblich. Auch im Leerlauf ging es immer weiter rückwärts. Alle Versuche den Vorwärtsgang einzulegen, waren vergeblich. Durch den Seitenwind war der Bug schon so weit vom Ponton entfernt, dass ich weder die Mittelleine, noch die Bugleine erreichen konnte. Nur eine Heckleine war in greifbarer Nähe. Mit der konnten wir aber das rückwärtsfahrende Boot nicht stoppen. Vom Ponton aus versuchten wir, den Schaden möglichst gering zu halten und das Boot vom Steg abzuhalten. Aber selbst ein langsam drehende Schraube und 23 Tonnen Gewicht entwickeln eine ziemliche Kraft. Das hässliche Geräusch des am Ponton entlangschrammenden seitlichen Hecks werde ich lange nicht vergessen. Auch konnten wir den Zusammenstoß mit dem nächsten Stromkasten nicht mehr verhindern. Gut, dass es kubanische Qualitätsarbeit war und der Kasten sich mühelos von unserer CESARINA umlegen ließ 🙁 Etwas Glück im Unglück sollte man ja auch haben. Dietmar machte in der Zeit unseren Anker klar und ließ in herunter. Ich sprang hinten wieder an Bord und stoppte endlich die Maschine mit dem Stoppschalter. Endlich war Ruhe im Schiff. Wir lagen quer im Hafenbecken und weit genug für weitere Beschädigungen am Schiff vom Ponton entfernt. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Das durfte wirklich nicht wahr sein. Nach einigen Minuten Ruhe legte sich die Panik und wir begannen die Situation zu analysieren.

Es zeigte sich, dass beim ersten Einlegen des Rückwärtsgangs unser Schaltzug gerissen war. So konnte man schalten, wohin man auch wollte. Der Rückwärtsgang war drin und das blieb er auch. Nur durch das Ausschalten des Motors war unsere CESARINA zu stoppen gewesen.

Der ebenfalls sichtlich geschockte Hafenmeister organisierte ein Boot, das uns wieder zurück an den Steg manövrierte. Dort konnten wir dann die entstandenen Schäden begutachten. An beiden Seiten des Hecks zeigten sich schon aus der Ferne zum Teil sehr tiefe Schrammen und ein eingedrückter Auspuffstutzen. Unsere neue Windsteueranlage wurde bei der Aktion ebenfalls verbogen. Hätte die Windsteueranlage nicht Heck und Ruder vor dem Ponton geschützt wäre die Nummer noch wesentlich schlimmer ausgegangen. Das sah wirklich übel aus und hinterließ ein Gefühl aus Ohnmacht, Wut und Traurigkeit :-(. Aber wie gesagt, es hätte auch noch viel schlimmer kommen können. Gut, dass unser Schiff so stabil und stark gebaut ist.

Der Stromkasten konnte recht einfach wieder zurück auf sein Fundament gesetzt werden. Da war wenigstens der Hafenmeister schon mal wieder froh. Das genaue Ausmaß der Schäden werden wir wohl erst im Tavellift sehen können. Das heißt, wenn wir es einmal bis an die andere Seite des Hafens geschafft haben werden. Ein langer Weg bis dahin, denn hier in Kuba einen passenden Schaltzug aufzutreiben, stellte sich am nächsten Tag als fast unmöglich heraus. So musste Dietmar sich etwas einfallen lassen. Er brauchte geschlagene zwei Tage für die Reparatur, bis wir die erste Testfahrt erfolgreich absolvieren konnten. Abends gab es dann zum Ausgleich einige Pina Colada mit extra „Vitamin R“ („R“=Ron). Eine Woche zum Abhaken und vergessen in fast wirklich jeglicher Hinsicht. Nur eines ist sicher. Eher jagen Hühner zukünftig Füchse, bevor es uns jemals wieder unter normalen Umständen in eine kubanische Werft verschlägt. Nach dem Crash hat sich nicht einmal der Chef bei uns blicken lassen um nach dem Rechten zu sehen. Da sind doch keine weiteren Kommentare nötig.

One thought on “Kubanisches Werft-Drama – 2. Akt

  • May 9, 2016 at 12:44 pm
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    Grr, selbst beim Lesen machte sich das Geräusch in meinem Kopf breit. Ich hoffe Ihr konntet die Wunden Eurer Dame versorgen, ohne dass hässliche Narben zurück bleiben.

    Euch alles Gute aus Fidschi

    Constantin

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